Erstes Kapitel 1 Teil

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  • Unperfekt
    Meine Kopfschmerzen waren mörderisch als ich erwachte. Der kalte Fußboden unter mir klebte seltsam an meiner Haut fest. Es fühlte sich fast so an als wenn ich in einer Badewanne lag die kalt war und das Wasser , was in sie floss, Zimmertemperatur hatte. Eindeutig eine Flüssigkeit schoss es mir durch den , noch immer stark hämmernden, Schädel.
    Was war passiert ? Ich hatte keine Ahnung. Die Schmerzen und die klebrige wässerige Textur unter mir ließen aber auf nichts Gutes schließen. Ebenfalls der metallische Geruch in der Luft gab meinem Verdacht Nährboden was sich unter meinem Kopf und dem Rest des Körpers ausgebreitet hatte.

    Eine Frage der Zeit schien es wohl zu werden. Ja bis was geschah ? Was ich aus Büchern gelesen hatte verlor man bei ausreichend hohem Blutverlust erst mal das Bewusstsein. Der Rest blieb einen wohl dann erspart vom Rest des Leidens was man Leben nennt. An dieser Stelle sollte wohl auffallen das ich zu dem Zeitpunkt noch nicht der Typ war der das Leben unbedingt mochte. Tröstlich zu wissen. Entschuldigung du weißt nicht was hinter mir liegt und was ich erlebt habe. Ich kann zwar dein Naserümpfen verstehen aber ich bin nicht der Meinung das du dir über mich Momentan schon ein Bild machen kannst. Ich mir über dich schon, obwohl ich dir nicht über die Schulter sehe ich wie du gerade denkst.

    Richtig ich habe dich beobachtet und dich studiert. Warum ? Ich wollte wissen ob du geeignet bist für diesen Weg. Du hast schneit das muss man dir lassen. Gehst deinen Weg obwohl deine Mittel begrenzt sind. An Geld fehlt es dir , an körperlicher Unversehrtheit mangelt es auch. Behinderte haben in dieser Welt nicht unbedingt den besten Stand. Sie werden Schein-integriert. Für sie wird augenscheinlich viel getan und dennoch werden ihre Rechte aufs massivste beschnitten. Gesetze stärken halt nur die die als Vollwertig angesehen werden. Gesetze zu deinem Schutz schützen meist nur die Gesellschaft vor dir. Besser gesagt sie sorgen dafür das du Ihr nicht zur Last wirst.

    Auch du hast schon die Erfahrung gemacht das du in den Augen der Gesellschaft nicht unbedingt ihren Idealen entsprichst. Keine Arbeit zuhaben ist nur eine bestimmte Zeit nicht unbedingt schlimm dann hat man zwar noch einen staatlichen Rückhalt aber gesellschaftlich gesehen ist man auf dem absteigenden Ast. Stütze zu kassieren wird all zu oft mit Sozialschmarotzern in einen Topf geworfen. Auch wenn man eigentlich nichts dafür kann. Weiter beobachtet führst du für viele aus der Gesellschaft ein ganz passables Leben. Du bekommst Stütze , wirst versorgt und kannst dich den ganzen Tag auf Facebook, Instagram und so weiter herumtummeln. Wie Geil ! Werden sich einige denken. Dazu kommt noch die optimale körperliche Versorgung! Du bekommst sogar Geld dafür das du Leute bezahlen kannst die dir dein Essen machen und die Endprodukte dann auch noch entsorgen dürfen. Damit dürfte die Illusion perfekt sein das dein Leben ganz toll ist.

    Das trifft nicht für Alle zu. Die Regierung geht in vielen Punkten immer davon aus das ein Heimplatz doch der geeignete Orte für einen eingeschränkten Menschen ist . Wieder so ein Mittel um Andere nicht daran zu erinnern das es auch noch Menschen in ihrer Mitte gibt die ebenfalls Rechte haben auf Sachen wie Arbeit oder Ehe . Ein Unding wenn Andere das verstehen würden und dann sich auch noch für dich einsetzen wollen würden. Das würde die Politik ganz schön in Nöte bringen. Falls du in ein Heim kommen solltest wirst du auch die Vorzüge einer Behindertenwerkstatt sicherlich kennenlernen. Das ist das Auffanglager für gestrandete Menschen die dem Qualitätsmerkmal der Unversehrtheit nicht ganz entsprechen und deswegen in eine Paralellgesellschaft gepresst werden. Dort hast du dann den ganzen Tag nichts anderes vor als Schrauben zu basteln oder Glühbirnenfassungen zu fräßen. Das tust du natürlich für einen Lohn der dir es nicht ermöglicht dich vom Staat zu trennen. Also du bist immer noch Abhängig von den Geldressourcen die dort für Hartz 4 Empfänger bereitgestellt werden. So wirst du auch nicht den Stempel los den man dir aufdrücken will das du ein Sozialschmarotzer bist. Das Szenario war jetzt für die noch körperlich Fitten eingeschränkten Menschen. Den Anderen blüht ein herrlich ruhiges Leben von 7.30 bis 15 Uhr auf einer Isomatte in einen Raum der mit komischen leisen Gebimmel beschallt wird damit du ja ruhig bleibst. Klingt wie eine Therapie für einen Massenmörder ist aber in vielen Werkstätten heute Realität. Der Vergleich ist für Außenstehenden vielleicht etwas übertrieben aber du wirst mir Zustimmen falls du schon mal etwas über den Arbeitstag eines bis an den Hals gelähmten Menschen gehört hast in einer WfbM. Stellt sich jetzt die Frage warum man so einen Menschen in eine Werkstatt auf eine Matratze legt und ihn ruhig stellt mit Musik? Die Medikamentöse Variante habe ich nun mal ausgelassen. Es wäre aber vorstellbar das auch solche Praktiken üblich sind. Entschuldigung für mein Abschweifen. Es geht einfach nur um die Kohle. Dieses ganze Endlagern kostet die Kassen richtig Kohle und die Werkstätten sind die Abschöpfer in dem Fall. Jetzt stelle ich mal eine ganz heikle Frage. Wer ist der soziale Schmarotzer in dem Fall du oder die Werkstätten bzw. die Heime?
    Aber nun erst mal genug mit gesellschaftlichen brisanten Themen. Kommen wir nun wieder zurück zu meiner Geschichte die ich dir eigentlich erzählen wollte. Aber ich fand das du erst mal etwas über meine Motive erfahren solltest. Was ich noch nicht erwähnt habe sind auch die herabwürdigenden Zustände in der ein oder anderen Einrichtung dazu aber später mehr.

    Gehen wir in meiner Erklärung für dich noch etwas zurück. Kehren wir an den Ort zurück bevor sich mein Leben soweit veränderte das es ein Anderes wurde als ich es bis dahin gelebt hatte. Wie du sicherlich bemerkt hast suche ich gezielt nach Personen die körperlich Eingeschränkt sind. Das hat den Grund das dies auch auf mich zutrifft. Ich wurde mit Spina Bifida geboren. Dies liegt nun schon eine ganze Zeit zurück. Wie viele Jahre dies sind wirst du noch früh genug erfahren. Momentan bringt es noch nichts dir das zu sagen da du es sowieso nicht glauben würdest.

    Wie gesagt ich bin ebenfalls körperlich Behindert und lebte ein ganz normales Leben für einen Körperlich eingeschränkten Menschen. Kindergarten , Schule und Ausbildungen absolvierte ich abgeschirmt in Einrichtungen die mich vor dem Rest der Welt schützen sollten. Meine Vermutung liegt nahe das dies aber wohl auch anders herum gemeint sein konnte wie ich dir vorhin nahe legte.
    Solche Einrichtungen sind oftmals sehr ruhig gelegen um wohl die Nachbarschaft auf einem Level zuhalten was man als neutral gegenüber uns Behinderten einstufen kann. Im Klartext es gibt Leute die wollen ihren Feierabend genießen. Augenscheinliches Leid passt halt nicht zu Bier und Chips. Lieber einen Krimi genießen oder eine Spielshow als sich mit Dingen zu beschäftigen die einen zum Nachdenken bringen über unsere Gesellschaft . Inklusion ist halt ein Thema was schwer verdaulich ist. Zumindest für die die denken das wir in einer Gesellschaft leben wo Jeder aus der gleichen Kuchenform gebacken wird. Klar und der Klapperstorch bringt die Babys oder wie war das ?

    Jetzt sind wir wieder bei einem brisanten Thema gelandet aber ich denke solchen Abstechern werden wir noch öfters begegnen. Nun gut meine Ausbildung machte ich wie gesagt in einem BBW. Berufsbildungswerk. Klingt toll oder ? Hat was von Eliteinternat? War aber eher eine Einrichtung die man nicht verlassen musste wenn man nur die Ausbildung im Kopf hatte. Schule wie auch Ausbildungsbetrieb befanden sich auf dem selben Gelände. Freie Marktwirtschaft fehl am Platz. Die Folge daraus war natürlich anschließende Arbeitslosigkeit da solche Einrichtungen einen in der Regel nicht übernehmen. Du merkst schon was ich damit sagen will. Isolation ist irgendwie Bestandteil meines Lebens gewesen. Wenn man bedenkt das dadurch auch das soziale Umfeld recht eingeschränkt ist weiß man wer einen eigentlich behindert.

    Nun gut. Als ich wieder zuhause angekommen war nach Jahren der Wanderschaft von einem Internat ins andere musste ich erst mal mich wieder zurecht finden. Ich fand mich in einer anderen Blase der Isolation wieder. In diese war ich allerdings freiwillig zurückgekehrt. Wenn man sein halbes Leben nicht zu Hause verbringt ist es klar das es einem an Kontakten fehlt. Jeder der um einen ist gehört zur Familie. Möglichkeit Nummer 1. man akzeptiert das und wird zum Einsiedler der sowieso keine Kontakte braucht weil er nur mit sich beschäftigt ist. Der 2. Weg ist risikoreich man geht Online und sucht sich seine Kontakte. Da mir das Schicksal eines Einsiedlers nicht unbedingt gefiel schlug ich nun den zweiten Weg ein. Anfangs eine prima Idee. Wenn du allerdings daran denkst man könnte auch rausgehen um Menschen kennenzulernen dann muss ich dich leider enttäuschen. Auf Dörfern ist man als Jugendlicher eingeschränkter Mensch nicht sehr Mobil da dort kein Bus fuhr der dich hätte irgendwo hinbringen können. Zumindest fuhr er nicht für dich irgendwohin. Ein Taxi sich zu leisten immer ist leider nur den Wenigsten in dem Alter vergönnt und die Eltern sind halt berufstätig und wenn du frei hast müssen sie halt auch oft arbeiten.

    Auf Grund meiner Interessen fand ich im Internet anfangs viele Kontakte. Vampire waren zur damaligen Zeit meine Leidenschaft. Fasziniert von der Welt der Untoten und der Legenden um sie streifte ich nun durch zahlreiche Seiten über Mythen. Eines Tages stieß ich dann auf einen Schatz wie ich vermutete. Echte Vampire! Naja Menschen die so lebten als wären sie echte Vampire. In der Gothicbewegung gibt es dafür den Begriff Vampyr. Ein Phänomen was ich sehr reizvoll fand. Ich identifizierte mich auch eine ganze Weile mit Jenen. Parallelen waren viele vorhanden. Da mich das Thema eigentlich auch so schon immer gereizt hatte ließ ich mich darauf ein und fühlte mich auch recht wohl. Die Unterscheidungen waren sehr Vielfältig in der Szene. Es gibt Energievampire , Alternativvampire , Vampyre (auch Sangs genannt). Sangs waren dabei aber eigentlich nie mein Fall. Sie kamen zwar dem Bild des Vampirs aus Romanen ziemlich nahe aber ich fand nix an der Vorliebe für Blut. Ich ordnete mich zu den Energievampiren ein. Das wurde auch dadurch beeinflusst das ich ein großer Chinafan war. Die TCM und ihre Praktiken zogen mich schon immer in ihren Bann und ich erkannte bald Rückschlüsse auf den Energievampirismus.

    Zu dem Zeitpunkt war alles Gut und ich glaubte ein erfülltes Leben zu führen. Das änderte sich dennoch bald. Nicht so bald das ich es hätte merken können aber im Vergleich zu meiner Verweildauer auf Erden ist es dennoch ein kurzer Augenblick. In einer Gesellschaft in der es vieles unfassbares gibt leben auch Menschen die das ganze dann doch mehr als eine Art spiel sehen. Rollenspieler sind ein Volk was eher sich als reiner Mensch sieht. Sie schlüpfen in Rollen für ein paar Stunden um vom Alltag etwas Abstand zu gewinnen. Nun auch ich versuchte mich an diesem Weg und ich fand ihn lange Zeit sehr amüsant. Das Ausprobieren meiner Fantasie war inspirierend für mich. Die Welten die sich mir offenbarten waren noch unglaublicher als die der Realen Vampire. Fiktion schlägt halt die Realität immer wenn man von ihr die Schnauze voll hat. Wieder entdeckte ich neue Kontakte führte aber die Anderen , die ich gewonnen hatte, auch noch nebenher.

    Nun begab es sich das die Torheit halt in jedem von uns steckt und das Vertrauen eine fragile Angelegenheit ist. Kurz gesagt ich bekam ordentlich eins auf die Fresse. Ja man kann es nicht anders sagen. Ich wurde betrogen und meine Freundschaft wurde aufs übelste ausgenutzt. Das führte mich wieder einige Zeit in die Isolation. Meine Bücher wurden zu meinen Freunden und ich verbrachte nächtelang damit zu lesen. Rückblickend keine schlechte Entwicklung nur der Weg dahin hätte etwas unblutiger sein können. Herzblut und Freundschaften zu opfern ist das härteste was es gibt. Nichts zu haben an Freunden ist das grausamste. Diese Erkenntnis machte mich aber vorsichtiger und stärker. Ich fing mich wieder etwas und kehrte ins Netz nach 1-2 Jahren zurück. Etwas weniger Mystischer als vorher aber dafür mit neuen Interessen.

    Webradios waren nun meine Passion. Ich fand an Gothicmusik Geschmack und zog mir eine düstere Scheibe nach der anderen rein. Eigentlich begann dies schon viel früher aber zu dem Zeitpunkt blühte es erst richtig auf. Wieder knüpfte ich Kontakte und wurde diesmal auch nicht enttäuscht. Durch Selbstbewusstsein und etwas Mut brachte ich es auch zu einer festen Freundin. Ein Fakt machte mir aber immer wieder sehr zu schaffen. Ich war eingeschränkt in meinem Tun und Handeln. Nachts träumte ich oft von mehr Freiheiten und Möglichkeiten in dieser Welt. Oft las ich auch von den Problemen anderen Eingeschränkter in dieser Welt. Lösungen für diese Probleme zu finden war aber oft nur soweit möglich das das nötigste an Leben abgedeckt war und das Leben nicht unbedingt lebenswert erschien. Grundrechte sind halt ein eingeschränktes Gut. Sie gelten für jeden in Deutschland. Werden aber oft schlecht umgesetzt wenn es um Körperbehinderte geht. Kurz gesagt ich traute mich nicht so recht aus dem Haus da die Barrieren zu groß erschienen. Die Folge daraus war das der PC wiederum mein einzig Realer Freund war. Klar man spricht über das Internet nicht mit Maschinen aber Persönlichen Kontakt mit anderen zu haben ist etwas ganz anderes.

    An dem Abend der der letzte in meinem alten Leben sein sollte beschloss ich nach langer Zeit wieder das Haus zu verlassen. Ich lebte nun schon viele Jahre allein in dem Haus meiner Familie. Meine Eltern hatten es kurz vor ihrem Tod verkauft und mir ein lebenslanges Wohnrecht gesichert. Der Besitzer war ein Immobilienmakler der die freie Wohnung in der zweiten Etage von Zeit zu Zeit vermietete. Seine Geschäfte schienen nicht gut zu laufen denn es waren nun schon fast 3 Jahre vergangen ohne das die obere Wohnung vermietet war. Ich war nicht böse über die Entwicklung. Meine Ruhe war mir heilig. Kinderstimmen oder lautes Reden störten oft meine Gedanken wie es weiter gehen sollte. Sie lenkten mich davon ab mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Der Weg aus der Einsamkeit ist schwer wenn man allein für sich ist. Erst hasst man die Stille dann wird sie zu einer Geliebten die einen fest im Arm hält und man sich nicht mehr lösen möchte. Man könnte auch sagen es ist wie das Stockholmsyndrom mit der eigenen Depression. Ich hoffe ich habe mich jetzt nicht zu Abstrakt ausgedrückt.

    Nun Ja ich sprach vorhin von einer Freundin. Es ist schwer vorstellbar das man trotzdem allein ist aber auf Grund meiner körperlichen Situation war es mir immer weniger vergönnt die lange Reise zu ihr anzutreten. Wir hatten noch Kontakt aber mehr und mehr rückte dabei der PC in den Mittelpunkt. Jetzt fragst du dich wie diese Nacht mein Leben beenden konnte ? Wie kann ich dir schreiben wenn doch mein Leben beendet wurde ? Gute Frage ! Das ganze ist nicht einfach zu erklären. Lies einfach weiter und verstehe was Veränderung wirklich bedeutet. Wie du dir sicherlich denken kannst habe ich nicht selbst mein Leben beendet sonst würde ich dir nicht schreiben. Es war die Folge aus einem Abend der mir über die Jahreszeiten meines langen Lebens oft noch Kopfschmerzen bereitet. Falls du dich erinnerst waren wir zu Anfang an meinem vermeintlichen Ende. Nun lass mich dir weitererzählen was sich noch ereignet hatte in dieser Nacht.

    Wie gesagt ich lag in meinem Blut und ich war mir bewusst das dies nun mein Ende hätte sein müssen. Alles rückte immer weiter in die Ferne und ich hatte auch nicht die Kraft mich aus diesem Zustand zu befreien. Was geschehen war war mir da noch nicht klar aber ich musste zumindest einen Unfall gehabt haben. Die Halswunde schien beträchtlich. Immer wieder schlief ich ein und war mir eigentlich bewusst das dies mein Ende hätte sein können aber ich erwachte immer wieder nach Stunden. Mir kam es ewig vor bis ich wieder einen kleinen Finger rühren konnte. Irgendwas musste die Blutung gestoppt haben. Das Blut unter mir hatte angefangen zu gerinnen. Der Schmerz wurde weniger an Hals und Beinen. In dem Moment hatte ich eigentlich nur noch die Hoffnung das dies nun das endgültige Ende war. Mit voranschreiten der Zeit machte mich aber die Tatsache stutzig das ich Schmerzen in den Beinen hatte. Ich war Querschnittsgelähmt und fühlte normal nichts in den Beinen. Vielleicht ein Geschenk des Schöpfers der einen in den letzten Minuten nochmal die Gnade erweist das zu erleben was man sein ganzes Leben verpasst hatte. Doch wieder meinen Erwartungen passierte nichts. Tage vergingen und nichts passierte außer das ich auf dem Fußboden lag und wartete. Mir war nun auch klar wo ich war.

    Meine Küche war ein gefliester Raum. Die Nähe der Wände verrieten mir das es nicht der Flur oder das Treppenhaus sein konnten. Meine Augen waren zwar ohne meine Brille äußerst schlecht aber das konnte ich gerade noch erkennen. Genauso wie ich durch die Rollläden erkennen konnte das in zwischen 2 Tage vergangen waren. Der Durst den man verspürt wenn man 2 Tage nichts getrunken hat war barbarisch. Viele Möglichkeiten rauschten mir durch den Kopf wie ich mich wohl befreien konnte aus meiner Situation. Die Stützen standen immer im Hausflur auch wenn der Rollstuhl wohl gerade nicht in meiner Nähe war hätte ich mich wohl dahin hinziehen können. Aber meine Arme und Beine wollten mir einfach nicht gehorchen. In der Nacht nach dem zweiten Tag auf dem Küchenboden ändert sich allerdings meine Situation langsam. Ein seltsames kribbeln durchzog meinen Körper und ich konnte erst nur die rechte Hand bewegen aber nach ein paar Stunden dann schon wieder den Oberkörper aufstützen. Die Arme waren also wieder Online und der Rest meines Wesens sollte auch bald folgen. Doch das Loch in meinem Geist blieb vorerst. Was war geschehen? Ein Überfall ? Einbrecher ? Hatte ich Jemanden die Tür aufgemacht? Nein ! Langsam löste sich ein Fetzen aus dem Nachtschleier des Vergessens und ich wurde mir bewusst das ich ausgehen wollte in der verhängnisvollen Nacht. Je mehr sich mein Körper erholte um so klarer wurde auch der Geist. Als ich auf den Knien stand weil ich mich an der Küchenzeile hochgezogen hatte wurde mir klar wie ein kleiner Teil des Abends verlaufen war. Meine Hand glitt in meinem Geist zum Hörer und ich hörte wie ich mir ein Taxi rief

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