4. Teil des Ersten Kapitels

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Als ich die Tür passiert hatte wurden die Bässe immer lauter. Schon vor dem Gebäude musste man sich anstrengen um etwas zu verstehen. Einige der Gäste des Nachtclubs standen gerade an der Warteschlange zum Eingang. Der Türsteher , ein schon etwas älterer muskulöser Typ kontrollierte im Akkord ausweise. Heute war es sehr voll aber das ließ seinen Blick nicht weniger scharf über die Personen schweifen. Ab und zu zog er auch hier und da Jemanden zur Seite und ließ ihn aus der Schlange wieder zurücktreten und verwies ihm den Weg zur Bushaltestelle. Ein Ideenloser Abend war also auch eine Option über die ich mir Gedanken machen musste. Die Gespräche um mich waren wohl alle sehr laut aber man musste schon genau hinhören um etwas zu verstehen. Meine empfindlichen Nerven fingen leicht an zu zucken und ich merkte wie die Kälte langsam nach oben kroch. Hier und da sah man auch Paare unter den Besuchern die sich verschlungen in den Armen hielten um sich wohl auch vor der Kälte zu schützen. Das erinnerte mich wieder an vergangene Zeiten und ich wurde etwas Wehmütig . Nach gefühlt einer Ewigkeit war auch ich endlich an der Reihe. Der Türsteher musterte mich eingehend und fragte „ Allein hier ? Drinnen wirst du nicht überall hinkommen“. Ich antwortete „ Ich komm schon klar danke“.Ich war eigentlich immer allein unterwegs und bahnte mir so auch heute allein den Weg durch die Floors. Auf der ersten Tanzfläche lief eher Trance und Techno. Der Bass der Boxen drang tief in meinen Brustkorb ein und bildete ein unregelmäßiges Echo zu meinem Herzschlag. Es war ok sich ab und zu dem zu widmen aber nicht heute mein begehren war ein anderer Bereich den ich nun weiter versuchte zu erreichen.

    Im nächsten Bereich der Disco lief R n B. Ich mochte diese Art von Musik noch nie sie entsprach einfach nicht meiner Mentalität und meinem Sinn für Musik. Lieber wäre ich noch in ein klassisches Konzert gegangen als mich dem weiter auszusetzen. Man versteht also das ich froh war diesen Bereich hinter mir zu lassen. Jetzt lag die erste Bar vor mir und ich überlegte kurz ob ich was bestellen sollte aber ich verwarf den Gedanken wieder und wollte nun erst mal an mein Ziel.
    Dies erwies sich aber letztlich als Fehlschlag. Das ganze fing an in einem Desaster zu enden. Ich stand vor einem Floor den eine Treppe nach oben versperrte. Oben hörte ich aber die Musik die ich hören wollte und ich fing an mich zu ärgern . Doofe Idee hier her zukommen wenn ich doch nicht dahin kam wohin ich wollte. Hinter mir fingen langsam an einige zu drängeln und zu schubsen weil sie an mir vorbei die Treppe hinauf wollten und ich beschloss schon wieder umzudrehen als mich Jemand von hinten festhielt. Mein blick verfinsterte sich leicht. Ich hasste Besoffene die einen zu sehr auf die Pelle rücken wollten und dann einen zu laberten wie sehr sie es bedauerten mich so sehen zu müssen. Genau das richtige was ich heute noch brauchte. Bedauern ist ein Gefühl was jeder kennt und was fast jeder hasst der in einer Situation ist die eigentlich für ihn das Normalste der Welt ist aber für andere wohl ein Umstand ist den Jesus hätte ändern müssen. Besoffene waren dazu noch nicht mal zu verärgern wenn man spitze Bemerkungen machten. Sie ließen sich selten von ihrem Umstand abbringen dir zu helfen und das ganze irgendwie schlimmer und peinlicher zu machen als es jetzt schon war. Jeder der auf die Hilfe von Anderen angewiesen ist kennt es wenn Hilfe falsch oder unnötig ausgeführt wird. Entweder weil die Person wirklich keine Ahnung von dem hat wie sie dir helfen kann und nicht einmal Fragt ob das so richtig ist oder weil die Person wohl das Gefühl hat in ihrem Leben irgendwas falsch zu machen was zur Folge hat das man dann als eine Art Ablassbrief von all den Sünden angesehen wird. Wenn man es genauer betrachtet eigentlich eine prima Geschäftsidee. „Einmal Helfen für 10 Euro und alle Deine Sünden werden für den nächsten Monat getilgt“. Bei diesem Gedanken musste ich leicht Grinsen und meine gute Laune war trotz des Rückschlags wieder da. Jetzt galt es aber erst mal dem distanzlosen Helfer beizubringen das er seinen versoffenen Arsch von mir Wegzubewegen hatte. Ich setzte mein zuckersüßes Lächeln auf und drehte mich langsam mit dem Oberkörper nach hinten.

    Zu meiner Überraschung war dem aber nicht so und ein junger Mann Mitte 20 und seine Begleiterin eine hochgewachsene Frau Anfang 30 standen hinter mir. Sie lächelte mir zu und nickte leicht. Meine Verblüffung über diesen Moment konnte man deutlich in meinem Gesicht lesen und die Frau wies dem hochgewachsenen Mann dem Weg nach oben. Ihre Gesichtszüge waren fein und südländischer Natur. Alles in ihrem Gesicht gab ein makelloses Bild ab. Die Augenbrauen waren in einer einzigartigen Vollkommenheit geschwungen das man glaubte ein Künstler habe ein Bild auf eine lebende Leinwand gemalt. Ihre Lippenbögen mit schwarz bemalt. Die Lippen selbst waren blutrot. Ihr Gesicht im Gegensatz zu den Lippen schneeweiß. Sie war recht groß aber aus meiner Position sah wohl möglich alles sehr groß aus wenn man es mal genauer betrachtet. Ihre Augen wirkten sanft und beruhigend auf mich. Sie hatten das dunkelste Braun was ich je gesehen hatte. Ihre Kleidung war genauso wie ihr Makeup auf die Szene abgestimmt und der Musik passend. Ihre Beine waren in schwarze Lederstiefel gekleidet mit reichlich Schnallen an der Seite die vom Chrom nur so blitzten. Darüber trug sie einen weinroten Rock der mit winzigen Applikationen schwarzer Rosen abzeichnet war. Mein Blick schweifte höher an ihr und ich bemerkte das der lange schwarze Mantel den sie trug genauso passgenau war wie der Rest des Outfits. Alles in allem eine Märchengestalt aus einem dunkel-romantischen Märchen wie ich fand oder vielleicht aus einem Alptraum?
    Er war eher Osteuropäischer Abstammung wie meine erste Einschätzung es vermuten ließ. Seine Augen waren stahlblau und hatten etwas unnachgiebiges. Seine Miene war im Gegensatz zu ihrer kühl und ernst. Ihn umspielte eher ein eisiger Wind als die warme südländische Brise der Frau. Distanziert und mich musternd nickte er mir zu. Seine doch recht Moderne Kleidung aus einer schwarzen Jeanshose und einem schwarzen T-Shirt. Training war für ihn sicherlich kein Fremdwort denn er sah ziemlich fit aus und doch entdeckte ich beim betrachten seiner Person kleinere Makel wie ein zu kurzes Bein. Aber ich war der letzte wohl der das als Hinderungsgrund sah ihm ein kleines lächeln zu schenken.

    Dennoch stellte sich mir jetzt die Frage was die Beiden wohl von mir wollten? Vielleicht wollten sie mich freundlicher Fragen wie die andere ob ich nicht zur Seite gehen konnte. Sie beugte sich leicht über die Lehne meines Rollstuhls und kam etwas näher an mein Ohr. „Können wir behilflich sein?“ Ihre Stimme war warm und sanft für mein Ohr aber ich kam nicht daran vorbei zu bemerken das sie einen Fehler in der Sprache hatte. Sie stotterte leicht und bei der näheren Betrachtung ihres Gesichtes zeichneten sich Linien ab die wohl auf Narben schließen ließen. Sie hatte sie wohl gut mit Makeup abgedeckt denn man sah sie unter dem Weiß ihrer Haut fast nicht.

    Ich schaute etwas irritiert dann meinte ich halb schreiend. „Das wäre sehr freundlich aber hier ist kein Durchkommen. Es sind einfach zu viele Leute und zu viel Gedränge hier im Gang. Das schaffen wir niemals nach oben.“ Sie hob ihren Zeigefinger kurz so als wolle sie mir sagen „Achtung aufgepasst“ dann drehte sie sich zu ihrem Begleiter und sprach etwas in sein Ohr. Er nickte leicht und packte so gleich meinen Rollstuhl an den griffen an und meinte dann über die Lehne zu mir „so richtig oder soll ich anders anfassen?“ ich nickte leicht als Zeichen das es so gut war und schaute was sie tat. Die junge Frau positionierte sich vor mir und schaute ob jemand hinter ihr stand dann packte sie das Gestell an den Fußrasten und zog es nach oben. Ich war beeindruckt über ihre Kraft. Ihr Begleiter stabilisierte das ganze so das ich ein sicheres Gefühl hatte und wir bahnten uns langsam den Weg nach oben. Drängler schienen gegen den muskulösen Typ hinter meinem Rollstuhl keine Chance zu haben. Er drängte sie alle zur Seite und ihr schienen die Leute schon so aus dem Weg gehen zu wollen. Ihre Gesichtszüge waren jetzt wesentlich aggressiver und dominanter als vorher. Mir war selber nicht ganz wohl als ich sie sah aber ich erkannte das es wohl im Moment zu meinem Besten war um hinauf zu kommen.

    Nach ein paar Minuten war der Weg bewältigt und ich atmete auf. Langsam wurde ich von den Beiden abgesetzt und schaute mich erst mal um. Also doch kein verlorener Abend. Die Musik hier war schon mehr nach meinem Geschmack und ich fühlte eine gewisse Unbeschwertheit mich erfüllen. Die Beiden blieben bei mir stehen und ich nickte ihnen zum Dank zu. Er nickte zurück und ging leicht in die Knie und kam wieder an mein Ohr“ Alleine feiern ist nicht so unser Fall. Wir waren eigentlich zu Dritt verabredet aber unser Bekannter hat in letzter Minute abgesagt. Würdest du uns gerne Gesellschaft leisten?“ Jackpot ich war für den ersten Moment etwas sprachlos darüber wie sich der Abend langsam entwickelte aber ich fand schnell meine Fassung wieder und willigte ein. Gegen etwas Gesellschaft hatte ich tatsächlich nichts. Viel zu lang war ich allein und ich war es leid. Klar die Gefahr war groß das es schief gehen konnte. Das ich wieder verarscht wurde wie davor von den anderen vermeintlichen Freunden aber wenn sich das ganze nur auf den Abend beschränkte dann war das doch ein guter Einstieg in mein neues Leben.

    34 mal gelesen