5. Teil des 1. Kapitels

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  • Die Musik schwankte immer zwischen reiner Melodic Gothicmusik und Industrialklängen die bekannterweise dem Mainstreamtechno ähnlich waren. Doch beim Techno hatte man meist weniger Text und man befasste sich auch hier nicht mit der Oberflächlichkeit des Seins sondern mehr mit den tiefgehenden Dingen im Leben. So verging der Abend von Stunde zu Stunde ich tanzte sogar ein paar Runden und führte mit den Beiden gute Gespräche. So erfuhr ich das sie tatsächlich nur auf der Durchreise waren und bei ein paar Freunden in der Nähe übernachteten. Sie stammte aus der Türkei und er aus Russland. Ich erzählte von den Schwierigkeiten hier im Land was die Behindertenpolitik angehe und bekam zu erfahren das es in anderen Ländern noch viel schlimmer war aber es auch Länder gab die schon viel Weiter waren mit der Inklusion. Skandinavien zum Beispiel. In den Nördlichen Staaten gab es kaum noch Hürden und die Versorgung war auch um einiges besser.

    Als sich der Abend neigte nahmen wir auch einiges an Getränken zu mir. Ich wurde von den Beiden immer eingeladen und bekam einen Rotwein nach dem anderen serviert. Die beiden tranken ebenfalls wohl welchen obwohl ich immer einen etwas metallischen Geruch roch. Zu dem Zeitpunkt schob ich es aber auf die vielen Leute und die verschiedenen Deos und Parfüms die mir wohl einen seltsamen Geruchscocktail servierten.

    So langsam wurde ich müde und musste immer öfters gähnen. Das schien nicht unbemerkt zu bleiben denn die Südländerin kam auf einmal auf mich zu und meinte „Wir sollten gehen der Abend war lang genug „ Ich nickte leicht und zog meine Geldbörse aus der Tasche um gleich das Taxi bezahlen zu können. Nun ging die ganze Prozedur zurück über die Treppe nach unten und vor die Tür. Jetzt war es allerdings leichter geworden. Die Besucherzahl hatte merklich nachgelassen und das war doch gerade jetzt sehr angenehm.

    Draußen vor der Tür wollte ich mich gerade verabschieden als mir völlig unvorbereitet eine Umarmung geschenkt wurde von Beiden. Ihre Körper fühlten sich stark und hart an. Sie hatten wohl viel Training gehabt in den letzten Jahren. Als ich fast das Gesicht des Mannes streifte zog sie mich kurzerhand schnell zurück und sprach zu mir „Wir haben uns überlegt dich nach Hause zu bringen. Es liegt auf dem Weg und wir können ja noch etwas quatschen im Auto und vielleicht die Nummern austauschen. Es hat echt Spaß gemacht sich mit dir zu unterhalten und ich akzeptiere kein nein „ Sie schenkte mir wieder ein herzliches Lächeln und ich wusste nicht was ich gerade dazu sagen sollte. Kaum wollte ich etwas sagen wurde ich in ein Silbergraues Auto verfrachtet und mein Rollstuhl in den Kofferraum.

    Meine Tür wurde zugeklappt und sofort merkte ich die wohlige wärme die über meinen Rücken streichelte. Sitzheizung war ein Luxus den sich nicht jeder leisten konnte. Heute war ich aber dafür dankbar das es ihn gab. Einen Moment später öffnete sich die Tür hinter mir und die Dame stieg ein. Ihr Parfüm war jetzt gut zu riechen und es roch wie vermutet nach Erde und Sandelholz. Was mir bis dahin noch nicht aufgefallen war , wohl durch den Lärm in der Disco, das an ihren Stiefeln kleine Glöckchen waren die unentwegt bimmelten wenn sie sich bewegte. Diesen Brauch in der Gothicszene hatte ich bis heute nicht verstanden. Wohl eine Art Warnung um den Tod zu verscheuchen oder vielleicht nur um anderen den letzten Nerv zu rauben. Ihr Mantel gab auf dem Polster ein einen quietschend Ton ab als sie sich nach vorn lehnte und mir wieder die Hand gab und sagte „ Ich bin Alea und das ist Dimitry“ sie schaute zu dem jungen Mann der mich die Stufen hochgetragen hatte. Ich nickte leicht und meinte „ich bin Björn“. Ich drehte mich wieder zurück und auch der junge Mann gab mir die Hand. Sein lächeln war wieder kühler als das Ihre und er wendete auch gleich wieder den Blick ab von mir und schaute aus der Windschutzscheibe des Wagens. Ich staunte über die Technik die hier im Wagen verbaut war. Das Auto selbst wurde nur mit einer Karte gestartet und brauchte wohl nur Primär einen Schlüssel. Die Neonscheinwerfer erhellten den Parkplatz und ich kniff etwas die Augen zusammen. Meine Augen mussten sich erst langsam an das Licht gewöhnen. Überall war es heute Abend sehr dunkel gewesen das trug nicht unbedingt dazu bei das man in so hellem Licht auf Anhieb besser sehen konnte. Ich schirmte meine Augen leicht ab und vernahm nun das leise summen des Motors. Elektroautos waren nicht unbedingt die schnellsten. Sie waren aber leiser und wohl ein Statement in diesen Tagen. Klima war das Thema was alles beherrschte eigentlich. Die Zeitungen und das Netz waren voll von Informationen wie sich unsere Erde noch weiter entwickeln konnte. Für mich war das aber nicht besonders Maßgeblich zu der Zeit mich beschäftigte mehr die Frage wie es nun in meinem Leben weiter ging. Ich hatte diesen Abend geschafft und war sogar noch in Gesellschaft gekommen. Eine Entwicklung die ich so nicht erwartet hatte für den Anfang. Nun gut die Fahrt begann und wir fuhren auf der Straße Richtung Werdau nun. Zu diesem Zeitpunkt hätte mir das ganze schon etwas seltsam erscheinen müssen aber ich war noch zu sehr davon paralysiert wie der Abend verlaufen war und vielleicht auch etwas zu euphorisch durch die gute Musik die den Abend ebenfalls begleitet hatte.

    Nun wurde ich gefragt von Dimitry „Wo müssen wir hin?“ Ich nannte ihm meine Adresse und die Hausnummer . In Aleas Stimme kam etwas Überraschung auf als sie sagte „Das liegt ja fast auf dem Weg“ Dimitry schaute auf die Uhr im Inneren des Wagens. Es war halb 4 und die Müdigkeit kam wieder auf in mir. Als wir auf der Bundesstraße beschleunigten sog ich die frische Luft auf die mir nun aus der Klimaanlage entgegen strömte. Das machte meinen Geist wieder etwas klarer und ich konzentrierte mich wieder auf den Weg damit wir richtig fuhren und ich auch wirklich zu Hause ankam. Hinter mir hörte ich etwas kramen in einer Tasche. Alea reichte mir eine CD vor und sagte dazu „Leg die mal bitte ein „. Ich nickte ihr zu und schaute zu dem Autoradio das neben den anderen Knöpfen und Schaltern vor mir in die Armatur eingebaut war. Es war für mich noch nie schwer etwas auf schwarzen Hintergrund zu erkennen auch wenn es nicht besonders hell war im Wagen. Die CD glitt sanft und mit einem leichten mechanischen Geräusch in das Radio

    Es erklang leise Musik aus dem Radio und ich war überrascht das es diesmal etwas ruhigeres war als ich es auf der Tanzfläche gehört hatte. Dennoch war es wieder Gothikmusik aber darüber war ich wiederum nicht sonderlich überrascht. Mir war es sogar sehr angenehm weil ich normal eigentlich auch ein Typ war der die doch etwas melancholischen Klänge liebte. Genau das richtige um jetzt noch etwas abzuschalten. Ich lehnte mich wieder in den Sitz zurück und die Wärme umfing mich wieder und versetzte mich im Zusammenspiel mit der Musik in eine Art Trance oder Träumerei und ich ließ noch einmal die Gedanken über die Jahre streifen und wie mein Leben bis jetzt verlaufen war.

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