Reale Vampyre in Deutschland: "Houses, Covens, Clans" (Beitrag zum Vampyrkongress 2018)

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Gelegenheiten tiefer in die Strukturen der Vampyrszene zu schauen ergeben sich in der Regel nur selten. Der Außenstehende wird schon an der Oberfläche mit Begriffen der Vampyrgesellschaft konfrontiert, die auf eine ganz eigene Welt im Schatten schließen lassen… inmitten einer ahnungslosen Allgemeinbevölkerung verborgen durch einen Schleier der Verschwiegenheit: Sogenannte Schwarze Schwäne (Black Swans), Menschen, die als Vertaute, Freunde und Geliebte unter dem Schutz von Vampyren zu stehen scheinen. Unter ihnen freiwillige Donore, die realen menschlichen Vampyren ihre blutaffine Existenz ermöglichen, indem sie ihnen regelmäßig Blut spenden. Verschiedenste Netzwerke und Zusammenschlüsse von realen Vampyren, organisiert sowohl jenseits als auch mithilfe des Internets, die Sicherheit und Gemeinschaft für ihres Gleichen bieten, sowie das nächtliche Treiben dieser Schattenwelt durch bestimmte Verhaltensregeln und ethische Standards zu reglementieren suchen. Hartnäckige Gerüchte über vampyrische Kabale im Untergrund, die Blutbars und Havens (sichere Treffpunkte der Vampyrgesellschaft) betreiben. Mysteriöse mutmaßliche Familienclans aus Vampyren, verschworene Covens und nicht zuletzt die sogenannten vampyrischen Häuser (Houses) sind besonders geheimnisumwoben und wirken ebenso unnahbar wie unwirklich. Informationen über diese altertümlich und elitär anmutenden Strukturen sind nur rar gesät und zu dem oft gespickt mit Halbwissen und Fehlinformationen. Welche Rolle spielen sie im Gefüge der Vampyrgesellschaft? Welche Formen können sie annehmen? Welchen Hierarchien und Regeln, sofern diese existieren, sind sie unterworfen? Sind es Kulte, Sekten? Welche Ziele verfolgen sie? Wie sieht die gegenwärtige Situation im deutschsprachigen Raum aus? Welche Häuser und verwandte Zusammenschlüsse sind aktiv und wie zugänglich sind sie innerhalb und außerhalb der Vampyrgesellschaft?

    Diesen Fragen wollen wir uns in Kürze widmen, und zwar mit Informationen aus erster Hand, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von House Sauromatos, unserer angeschlossenen offenen Communityorganisation Black Rose Society, sowie unseren Partnern in House Kashim, House Chonasaru,


    Geschichte. Vorweg gilt es zu beachten, dass vampyrische Geschichtsschreibung sich zum größten Teil im Dunkeln bewegt. Überliefert ist nur weniges, oft als persönliche Perspektiven die sich teilweise aus Spekulation und Mythenbildung zusammensetzt. In Folge dargestellt ist eine vereinfachte und generalisierende Version jüngerer vampyrischer Geschichte in Bezug auf Organisierungsformen von Vampyren.

    Häuser, Covens und Clans sind Formen vampyrischer Selbstorganisation, die in vielerlei Hinsicht an die Gegebenheiten vor einer weitflächigen Vernetzung der Vampyrgesellschaft durch das Internet anknüpfen. Exklusive, nach außen extrem verschlossene, Zusammenschlüsse – familiär, als Lebensbund strukturiert und regional orientiert – stellten in diesen Zeiten das Weiterbestehen des vampyrischen Erbes sicher. Sie boten Wissen, wichtige Ressourcen und nicht zuletzt einen Schutz nach außen in Form von realer Gemeinschaft, die nicht selten auch die Funktion eines sozialen Auffangnetzes erfüllte. Sie ermöglichten Vampyren grundlegend ein Leben als Vampyr unter Seinesgleichen zusammen zu bestreiten. Diese frühen Strukturen hatten jedoch auch sehr offenbare Schattenseiten. So waren die alten Covens allein aufgrund ihrer strukturellen Verwandtschaft und des geteilten Milieus teilweise äußerst eng mit bestimmten okkult-spirituellen Strömungen verwoben, was ihnen nicht nur zum Vorteil gereicht ist. Anderenorts nahmen isolierte vampyrische Gruppen einen quasi bandenmäßigen Charakter an. Man war der Untergrund. Die Verhältnisse wandelten sich ungefähr zeitnah mit dem zunehmenden Aufkommen des Internets. Die insularen alten Covens wurden nach und nach aufgelöst, ihre traditionellen Gebräuche aufgegeben oder im Gewand der vampyrischen Häuser wesentlich reformiert und an die Bedürfnisse der Zeit angepasst. Diese zum gegebenen Anlass nur in vereinfachter Form darstellbare Entwicklung lässt sich sowohl international wie auch im Groben, mit etwas Verzögerung und stellenweiser Überlagerung beider Phasen, im deutschsprachigen Raum nachvollziehen. Die seit den frühen 90ern in weiten Teilen der internationalen Vampyrgesellschaft einflussreichen Häuser sind keine Relikte – vielmehr stellten sie vielerorts eine wichtige Neubelebung der Vampyrkultur dar. Die zeitgenössischen vampyrische Häuser verbinden das Alte mit dem Neuen, um für die Vampyrgesellschaft traditionell wichtige Werte und Inhalte ins nächste Jahrtausend zu tragen.

    Form. Dabei nehmen sie verschiedenste Formen an, was durchaus auch zu ihrer anhaltenden Faszination beiträgt. Kein Haus ist wie das andere. Regionalität, Offenheit, Selbstverständnis – dies allein sind sehr zentrale Punkte in denen Häuser und äquivalente Zusammenschlüsse sich schon nach außen hin erkennbar unterscheiden können.

    So halten sich manche Häuser verstärkt an eine bestimmte Region, oder sogar eine bestimmte Stadt – vergleichbar mit den alten Covens, die förmlich territoriale Ansprüche aufweisen konnten. Durch einen festgeschriebenen regionalen Bezug und die daraus folgende räumliche Nähe der Angehörenden zueinander ist man natürlich in der besten Lage sich lokal zu organisieren, was je nach Selbstverständnis der Vereinigung als Notwendigkeit angesehen wird. Andere Zusammenschlüsse akzeptieren Mitglieder vollkommen jenseits von geographischen Begrenzungen und besitzen unter Umständen Angehörige in mehreren Ländern über mehrere Kontinente verstreut, die sich womöglich nur selten bis nie von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und hauptsächlich über das Internet Kontakt halten. Vielfältige Mittelwege und Kompromisse zwischen beiden Extremen sind in vielen Fällen gute Praxis.

    Der Grad der Offenheit nach außen, ob und wie man neuen Mitgliedern gegenübersteht und ihnen Zutritt zu den eigenen inneren Kreisen gewährt, ist ebenso von maßgeblicher Bedeutung. Einige vampyrische Häuser gehen streng selektiv vor und verfügen über eine festgeschriebene Aufnahmeprozedur, die traditionelle Merkmale im Geiste der alten Covens aufweisen kann, wie eine festgesetzte Probezeit und die Begleitung durch eine Mentorperson, welche teilweise als Prüfer des Anwärters auftreten kann oder als Sponsor und notwendigen Bürgen, der dem Kandidaten durch Fürsprache ermöglicht für das Haus in Betracht gezogen zu werden. Andere Häuser mögen grundsätzlich geschlossen sein, sodass sie niemanden mehr in ihren Kreis aufnehmen, bleiben dennoch aber als Präsenz in der Vampyrgesellschaft aktiv. Wieder andere rekrutieren, relativ untypisch, offen und aktiv, etwa über eine angeschlossene virtuelle Präsenz, dessen Unterhalt davon unabhängig für die meisten Häuser zum guten Ton gehört, für die verwandten traditionellen Covens aber eher unüblich ist. Derartige Präsenzen können sparsam etwa wie virtuelle Visitenkarten behandelt werden oder aber auch mehr über das Haus offenbaren, beispielsweise über die jeweilige Geschichte, interne Strukturen oder das Selbstbild – zugänglich je nach Grad der Offenheit.

    Das Selbstverständnis schließlich ist die gelebte – zur Form gebrachte – eigene Identität eines Hauses, und beeinflusst sowohl die vorangegangen als auch die noch folgenden Punkte in der Regel erheblich. Das Selbstverständnis drückt die individuelle Vision und innere Konzeption des vampyrischen Haushaltes aus und tritt dementsprechend vorallem im Rahmen der Selbstdarstellung des Hauses nach außen zu Tage: verschlossen oder offen, exklusiv oder inklusiv, elitär oder unprätentiös, straff hierarchisch organisiert oder locker familiär, spirituell ausgerichtet oder streng säkular, modern oder traditionell. All dieses beschreibt die äußere Form des Zusammenschlusses. Ihr Selbstverständnis befindet sich aber vielmehr in den Gründen dahinter, in der Vision und Motivation – gewissermaßen im zugrundeliegenden individuellen Geist des Hauses. Es ist tatsächlich eine Eigenheit der vampyrischen Häuser, als Strukturen der modernen Vampyrgesellschaft, dieses für sich beanspruchte individuell Selbstbild auch in den verschiedensten Formen bewusst darzustellen, nach innen und ebenso nach außen.

    Im Folgenden widmen wir uns im Allgemeinen noch den häufigsten kritischen Fragen, die an die vampyrischen Häuser als Institutionen der Vampyrgesellschaft gerichtet werden.

    Hierarchie. An diesem Begriff setzen die meisten kritischen Stimmen innerhalb der Vampyrgesellschaft an, gerade wenn es um traditionell orientierte vampyrische Haushalte geht. Die gegenwärtige Vampyrkultur ist extrem individualistisch und moderne Vampyre ordnen sich gemeinhin nicht gerne unter, wenn nicht unbedingt zweckdienlich ist oder es die eigenen Interessen unterstützt. Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens werden akzeptiert, ebenso wie Strukturen, die der Organisation des gemeinschaftlichen Zusammenlebens dienen. Zusätzliche Strukturen jenseits des verstandenen notwendigen Maßes werden ob ihrer fehlenden Berechtigung und daher folglich ihrer unrechtgefertigten Autorität in der Regel kritisch beäugt. Fragliche vampyrische Häuser gehen unterschiedlich damit um. Ein genauerer Blick auf die Geschichte dieser Form vampyrischen Selbstorganisation offenbart, dass sich hierarchische Strukturen vorerst an Notwendigkeiten und die Gegebenheiten der Zeit orientiert haben. Die alten Covens waren aufgrund der historischen Situation in der Regel einem weit strikteren Reglement unterworfen, als wir es aus Gruppierungen der gegenwärtigen Vampyrgesellschaft kennen. Die sich-verändernden Umstände forderten Anpassung und man fand diese schließlich in der offenen Form der neuen vampyrischen Häuser. Vertraute Strukturelemente des vampyrischen Erbes wurden in verschiedenster Weise beibehalten, während Zwanghaftes und Einengendes auf struktureller Ebene weitestgehend hinter sich gelassen wurden. Die hierarchische Struktur ist in den vampyrischen Häusern nicht länger durch die Tradition bestimmten formellen Vorgaben unterworfen, sodass unterschiedlichste Wege gegangen werden können um die rein-praktischen Anforderungen an die Organisation auf der einen Seite mit dem eigenen Selbstverständnis auf der anderen Seite zusammenzubringen. Zweckmäßigkeit trifft auf Tradition. So finden wir in vampyrischen Häusern vielerorts eher organische, übersichtliche Hierarchiestrukturen vor, wie man sie zwar auch schon in den alten Covens praktizierte, jedoch oft mit einer zusätzlichen stärkeren Gewichtung von Mitbestimmung und Mitgestaltung ihrer angehörenden Mitglieder auf gleicher Augenhöhe, während andere Hierarchieelemente nunmehr fast ausschließlich einen symbolischen oder zeremoniellen Zweck verfolgen. Der Hierarchie-Diskurs selbst ist gerade innerhalb der häuslichen Vampyrkultur sehr lebendig. Neue Ideen und Impulse werden diskutiert und verschiedene Konzepte werden erprobt. Manche Stimmen wünschen sich eine Rückkehr zu einem strafferen traditionsbewussten Reglement. Andere verfolgen den Willen zur Umsetzung von für die Vampyrkultur völlig neuartigen Governance-Lösungen aus den verschiedensten Bereichen. Wieder andere Entwürfe mögen nach eigenen Worten zufolge gänzlich auf hierarchische Strukturen verzichten. Zeitgenössische vampyrische Häuser beziehen auf sehr unterschiedliche Weise Stellung zur Hierarchiefrage und zeigen sich sowohl stilecht in Bezug auf die eigene historische Entwicklung als auch höchst eklektisch im Hinblick auf Neuerungen. Kein Haus ist wie das andere. Man ist grundsätzlich gut beraten sich dem individuellen vampyrischen Haushalt oder einem äquivalenten Zusammenschluss auf individueller Basis zu widmen.

    Säkularität. Bezeichnend für das Ideal der Trennung von Politik und Religion, ist das Säkularitätsprinzip auch für die vampyrischen Houses, Covens und Clans von nicht ungefährer Bedeutung. Durch ihr historisches Milieu und nicht zuletzt aufgrund der Natur intern vermittelter Inhalte und deren Praxis, namentlich realer Vampyrismus, bewegen sich vampyrische Vereinigungen in einem Umfeld, das von verschiedenen Formen alternativer Spiritualität geprägt wird. Als nach außen hin geschützte, begrenzt einsehbare Gruppen in einem solchen Umfeld, werden vampyrische Häuser und verwandte Arten von Selbstorganisation regelmäßig in die Nähe von gefährlichen Sekten oder Kulten gesetzt. Fast immer fehlt diesen Vorwürfen jegliche sachliche Grundlage. Dennoch sichern sich viele zeitgenössische vampyrische Häuser ab, indem sie sich, getreu des Säkularitätsgedankens, explizit als nicht-religiöse Gruppe zu erkennen geben. Die Mitgliedschaft ist demnach nicht zwingend an einen bestimmten Glauben oder eine spirituelle Weltanschauung gebunden. Auch diese Praxis vampyrischer Häuser ist den Ursprüngen im subkulturellen Untergrund geschuldet. Vampyrische Vereinigungen, die alten Covens und deren Vorgänger, waren in vielen Fällen sehr eng mit bestimmten religiös-spirituellen Ausrichtungen und Ansichten verwoben. Das bezieht sich nicht allein auf ein noch heute in vielen Teilen vorhandenes Interesse an Okkultismus oder Esoterik. Darüber hinaus lebte und lehrte man in vielen frühen Covens ein Verständnis von Vampyrismus, welches untrennbar gerade mit Satanismus, Kemetismus oder diversen Strömungen des neu-heidnischen sowie des traditionellen Hexenglaubens durchwachsen war. Bedingt durch das nach außen relativ isolierte sowie gleichsam äußerst enge Zusammenleben innerhalb der Covens konnte dies zu gefährlichen Tendenzen führen. Sowohl Vampyrismus als Lebensart, die Ausübung des eigenen Glaubens, so wie auch sonstige Aspekte des geteilten Milieus gingen – noch mehr als heute – mit einem erheblichen sozialen Stigma einher, welches die vorherrschende soziale Isolation maßgeblich unterstützt haben sollte. Zudem dürfte der damalige Stand der weitflächigen Vernetzung unterschiedlicher vampyrischer Gruppierungen und Individuen vor dem Internet ebenfalls zur Isolation beigetragen haben. Man kann davon ausgehen, dass es im Vergleich zur gegenwärtigen Situation an Zugang zu alternativen unabhängigen Informationen den realen Vampyrismus betreffend mangelte und damit auch der Möglichkeit des Erfahrungsabgleiches, sowie generell die Chance auf Unterstützung von Seiten einer größeren Vampyrgesellschaft fern des eigenen Milieus. Die weitflächige Vernetzung mit dem Aufkommen des Internets änderte alles. Die neuen vampyrischen Häuser halten, je nach Traditionsbewusstsein, an ihren subkulturellen Wurzeln fest oder entwickeln aus dem weitergetragenem geistigen Erbe der Vampyrkultur auch neue Wege. Die Form der verschworenen exklusiven Gemeinschaft eignet sich noch immer zum Erhalten und Weiterentwickeln gerade auch okkulter Inhalte oder vampyrisch gefärbter Spiritualität. So erfreuen sich beispielsweise traditionell verehrte Figuren wie Lilith oder Kain, trotz Widrigkeiten, immernoch eines gewissen authentischen Kultes unter den Vampyren. Die in diesem Punkt wichtige Neuerung mit der neuen Form der Selbstorganisation ist in weiten Teilen der häuslichen Vampyrkultur der Säkularitätsgedanke. Die Weltanschauung oder der Kult sind nicht länger untrennbar mit der Organisation und der Identität des vampyrischen Zusammenschlusses verbunden, sondern sind explizit Privatsache des Einzelnen. Diese Trennung ist von Fall zu Fall natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt bzw. durchgesetzt, jedoch ist sie oft schon im Selbstverständnis als vampyrisches Haus mit enthalten – in Abgrenzung zu beispielsweise Tempeln oder Tempel-Häusern, die sich als dediziert spirituell-religöse Gruppen verstehen können, auch wenn dort defacto oft verschiedenste spirituelle Pfade frei nebeneinander erforscht werden.

    Ziele. Nicht wenige vampyrische Häuser widmen in ihrem Selbstverständnis einer spezifischen Mission, einer Aufgabe oder bestimmten Zielen. Eine sehr grundsätzliche Unterscheidung lässt sich bereits zwischen jenen Häusern vornehmen, die werdende Vampyre bzw. Suchende in ihrem Erwachen unterstützen, sie auf ihrem Weg in die Vampyrgesellschaft begleiten oder eine anderweitige Art von Wissensvermittlung praktizieren, und solchen die es nicht tun. Die traditionelle Verpflichtung zur Weitergabe von Wissen und Ressourcen ist eine selbstauferlegte Aufgabe, der nicht alle Häuser, Covens oder Clans nachkommen können oder wollen. Suchende dieser Art sind daher unter Umständen nicht überall willkommen. Versteht man sich im Selbstbild als Haus des Wissens für die nächste vampyrische Generation, als ‚teaching house‘ bzw. ‚teaching coven‘, hat dies gemeinhin auch Folgen für die interne Struktur des Haushalts. Wissen wird in diesem Zusammenhang nicht nur gemeinsam erarbeitet sondern auch gezielt vermittelt. Lehrer bzw. Mentorpositionen bilden sich in organischer Weise heraus, auf dessen Basis sich bereits eine lose Form der Hierarchie gründen kann. Die gewählte Methode der Wissensvermittlung folgt dabei oft einem dezidiert beziehungsorientierten Ansatz und findet ihren direkten Ausdruck in der Institution der formellen Mentorschaft, in dessen Rahmen eine vampyrische Mentorperson den werdenden Vampyr als persönlichen Protege annimmt und stützend begleitet. Diesbezüglich ausgerichtete vampyrische Häuser gleichen unter Umständen organisierten Mentorverbänden – Zusammenschlüsse von sich gegenseitig unterstützenden und gleichsam sich kontrollierenden Mentoren, die ihre Proteges solange begleiten bis diese selbst in der Lage sind den nächsten Suchenden als Mentor zu dienen. Auf diese Weise bilden sich Übertragungslinien heraus, auch als Blutlinien bezeichnet, welchem einem vampyrischen Haushalt – über diese eigene Art der Filiation – auch gewisse dynastische Aspekte verleihen können. Im Übrigen ist es von entscheidender Bedeutung, welches Wissen vermittelt wird und für wen es bestimmt ist. Häuser dieser Art spezialisieren sich unter Umständen auf bestimmte Bereiche und bestimmte Interessens- oder Zielgruppen. Durch das Ausfüllen verschiedener Nischen tragen sie so maßgeblich zum Abwechslungsreichtum in ihrer regionalen Landschaft und dadurch zur anhaltenden Faszination der häuslichen Vampyrkultur bei. Neben der Wissensvermittlung kommt in vielen Häusern vorallem das Gemeinschaftliche zum Tragen: das Unterstützen und Organisieren von regelmäßigen Treffen, Partys und Events in den verschiedensten Formen und Farben – bevorzugt natürlich schwarz. Von Haus-internen geschlossenen Synoden und Konklaven, über selektive philosophische Covens und Symposien, hin zu gemeinsamen Jahresfeiern, Jubiläen und nicht zu vergessen berüchtigten blutigen Gelagen im Kreise handverlesener Gäste. Auf diese Weise fördern und gestalten die vampyrischen Häuser die gelebte Vampyrkultur in ihren Regionen. Wieder andere arbeiten im Stillen für eine bessere Vernetzung verschiedener Bereiche der Vampyrgesellschaft, bauen Brücken und diplomatische Kanäle, schaffen und erhalten Infrastruktur und sichere Refugien. Gerade dieses Engagement erntet oft die wenigste Beachtung, ist aber unteranderem mit die nobelste Aufgabe, derer sich ein vampyrischer Zusammenschluss annehmen kann. Und schließlich - ob dies nun bewusst als Ziel ins Auge gefasst wurde oder nicht – sind etablierte Häuser, Covens und Clans allein durch ihre sichtbare Existenz schon eine Bereicherung für die Vampyrgesellschaft, indem sie zur Vielfalt derselben beitragen. So können sie als Beispiele dienen, als Ansporn sich ebenfalls zusammenzuschließen, sich zu organisieren und sich einen Namen zu machen. Unter einem gemeinsamen Sigil und einem gemeinsamen Namen zusammen mit engen Vertrauten ein anerkannter Teil der häuslichen Vampyrkultur sein zu wollen ist als Zielsetzung daher nicht weniger edel – ebenso so wie die bloße Freude an der Entfaltung von Individualität und dem Ausleben von Andersartigkeit. Die Antwort auf die Frage welche Ziele vampyrische Häuser und verwandte Gruppierungen verfolgen, die Frage nach ihrem Zweck und ihrer Funktion, kann letztendlich ebenso wie die Antwort auf die Frage nach der Form, die diese annehmen können, niemals eine finale sein. Die Vampyrgesellschaft ist ein kreativer gestalterischer Prozess, dessen Möglichkeiten und Potential sich noch nicht einschätzen lassen.

    Die Situation im deutschsprachigen Raum. Die Vampyrkultur der deutschsprachigen Länder befindet sich gegenwärtig im Vorzeichen des Wandels hin zu einer abermals lebendigen und vielfältigen Landschaft. Houses und Covens sind in Deutschland in Vergangenheit immer vergleichsweise zurückgezogen gewesen und den wenigsten zugänglich. Seit 2015 zieht nun eine selbstbewusste neue Welle an einschlägigen Gründungen immer größere Kreise in der Vampyrgesellschaft – eine willkommene Entwicklung in vielen Augen.

    Als international orientierter und regional basierter traditioneller vampyrischer Haushalt unternahm Haus Sauromatos im letzten Jahr den Schritt in die größere vampyrische Öffentlichkeit. Haus Sauromatos bezeichnet sich als konservativ und nimmt für sich eine erhaltene Rolle innerhalb der Vampyrgesellschaft in Anspruch. Sauromatos will durch sein exemplarisches Beispiel eines traditionellen Haushaltes anderen vampyrischen Zusammenschlüssen als richtungsweisendes Vorbild dienen. Nach eigenen Angaben fördert und fordert Sauromatos innerhalb der eigenen geistigen Familie verstärkt kreative Visionen, die Umsetzung eigener Initiativen, und Pflichtbewusstsein in Form eines radikalen Aristokratismus. Voll-affiliierte Mitglieder des hoch-selektiven vampyrischen Haushaltes werden grundsätzlich dazu ermächtigt eigene Projekte mit der Unterstützung und unter der Ägide des Hauses ins Leben zu rufen, inklusive die Gründung einer eigenen Blutlinie als Mentor oder die Leitung eines eigenen traditionellen Covens. Haus Sauromatos hat seinen Stammsitz in der Metropolregion Rhein-Ruhr und setzt einen Fokus auf reale Treffen. Die Teilnahme an der jährlichen privaten Synode des Hauses ist für Angehörige des Hauses verpflichtend. Jenseits dessen unterliegt die Mitgliedschaft im Haus keinen bestimmten geographischen Einschränkungen. Haus Sauromatos vertritt einen vornehmlich sanguinär-orientierten Vampyrismus, als Orthodoxer Vampyrismus bezeichnet, mit einem starken Fokus auf die Interessen von sanguinär-lebenden Vampyren und einer zentralen Blutmystik, in der Blut zu etwas Heiligem aufgewertet wird mit darauf aufbauenden praktisch-ethischen Grundsätzen. In großen Teilen stützt sich der junge Haushalt auf das gelebte Erbe der internationalen Vampyrkultur, profitiert aber auch von älteren Traditionen, die der eignen okkulten Vorgeschichte geschuldet sind. Obwohl Haus Sauromatos säkular orientiert ist und explizit keine religöse oder spirituell-magische Vereinigung darstellt, ist das Haus unterschiedlichsten Arten des Glaubens und der Spiritualität zugetan – gerade auch solchen, die dem Vampyrismus entwicklungsgeschichtlich nahe stehen. Im Kreise des Hauses haben gegenwärtig volksnahe Formen katholischer Frömmigkeit ihren Platz neben diversen Strömungen aus dem Bereich der traditionellen Hexerei, neopagane Beschwörung der Alten Götter, insbesondere aus dem slawischen oder hellenistischen Raum, neben neognostischer Verklärung eines mystischen Antinomismus. Das Haus pflegt stolz einen vielfältig ausgeprägten nicht-konfessionellen Todeskult: verschiedene Formen der Toten- und Ahnenverehrung werden offen praktiziert. Ebenso wird in diesem Rahmen der unter Vampyren in authentischer Form selten anzutreffende Kainskult von Vertretern des Hauses unterstützt.

    Black Rose Society bezeichnet sich als stolzes Protektorat von Haus Sauromatos und wurde 2017 in enger Zusammenarbeit mit Haus Sauromatos als Initiative ins Leben gerufen um Suchenden, Vampren und Schwarzen Schwänen auf breiter Ebene die Möglichkeit zu geben an der wiedererstarkenden Vampyrkultur in ihren häuslichen Aspekten vertreten durch Häuser wie Sauromatos, Kashim oder Chonasaru teilzuhaben, mitzuwirken und eigene Erfahrungen zu sammeln – ohne sich zu verpflichten, etwa sich einem Haushalt oder Coven anzuschließen. Black Rose Society ist als offener Vorhof zu verstehen, in dessen Begrenzung das Tagesgeschäft der häusliche Vampyrkultur kennengelernt werden kann. Black Rose Society ist überregional organisiert und die Mitgliedschaft beschränkt sich nicht auf einen bestimmten Kreis. Als Netzwerk will Black Rose Society lokale vampyrische Infrastruktur und Treffen unterstützen, besonders abseits der Ballungszentren. Vorallem verfolgt Black Rose Society den Anspruch auch jüngeren oder anderweitig noch unsicheren Suchenden, Vampyren und Schwarzen Schwänen einen Platz bieten zu können um sich persönlich einzubringen, in einer stressfreien und positiven Atmosphäre mit einem kompetenten Fundament innerhalb einer möglichst sicheren Umgebung – letzteres garantiert durch den dauerhaften Partner in Haus Sauromatos. Von Seiten des Hauses besteht zudem auch das Angebot an die Nutzer und Mitglieder von Black Rose Society individuelle Förderung für eigene Initiativen und Projekten zu erhalten. Neugründungen im Bereich häuslicher Vampyrkultur können als Beispiel über und durch das Netzwerk beraten werden bzw. sich generell ideeller sowie praktischer Unterstützung erfreuen.

    Haus Kashim ist ein vampyrischer Haushalt, der sich mit den dunkelsten Bereichen der vampyrischen Natur befasst, in bewusster, verantwortungsvoller und kompetenter Weise. Als Haus, welches sich gerade mit Extrembereichen des Vampyrismus beschäftigt legt Kashim gleichermaßen extremen Wert darauf einen möglichst sicheren und geschützten Raum bieten zu können. Daher verzichtet das Haus weitestgehend auf eine öffentliche Präsenz und konzentriert sich auf vertrauliche Kontakte. Kashim lebt und verkörpert im besonderen Maße eine Dunkle Geborgenheit.

    Haus Chonasaru stellt die erste Vereinigung in deutschsprachigen Gefilden im Rahmen eines vampyrischen Haushaltes dar, die sich auf die speziellen Bedürfnisse und Eigenarten von ferox-orientierten Vampyren konzentriert. Der Ferox-Begriff ist eine von Chonasaru genutzte Bezeichnung, um die besonders wilde, animalische Qualität des Wesens mancher Vampyre und die damit einhergehenden Eigenarten zu bezeichnen. Chonasaru gibt damit einem spezifischen Phänomen einen Namen und eine Stimme, und öffnet damit die Tore zu einem bewussteren Umgang mit diesen Aspekten vampyrschen Lebens, in der Vertrautheit eines familiären Rahmens.

    Bekannte Häuser und Entitäten, die gegenwärtig im deutschsprachigen Raum aktiv sind, die wir an dieser Stelle aber nicht im Detail vorstellen können sind das private Haus Auki Yr, gegründet August 2017, und Haus Sangreal, gegründet 2005.
    ...


    Copyright © 2018 SAVROMAT INSTITUT.

    456 mal gelesen