Die Seiltänzerin

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    • Die Seiltänzerin

      Hoch in den Lüften tanzt sie federleicht,
      spielt ein Theater, fingiert das Lächeln.
      Sie spürt es nicht, doch die Zeit verrinnt,
      zu lang schon lässt sie die Augen verschlossen.

      Das hauchdünne Seil ist bestimmt nur für nie,
      wo sie auch sucht, sie verweilt dort allein.
      Doch schlimm ist das nicht, sie lebt Harmonie,
      fragend ist nur wer würd hörn, würd sie schrein?

      Manchmal lässt sie ja die Neugier nicht los,
      schaut hinunter zur Erde, tief in den Abgrund.
      Von so weit hoch oben, scheint's hoffnungslos,
      wenn sie käme, hinab, was wär dann der Grund?

      Plötzlich ein Windstoß hoch über den Wolken,
      das erste mal, das sie so schwebt in Gefahr.
      Kann sie sich gerade mit einem Arm halten,
      verziehen schon Bilder, wie ihr Leben dort war.

      Die Panik verfliegt, als sie einladend sieht,
      ein schwarzes Wesen den Arm nach ihr streckt.
      Der Tod stellt sich vor, sie hat keine Furcht,
      er sagt, er schenkt ihr freie Erlösung direkt.

      Gerade als sie den Arm greifen will, den,
      welchen sie sich so lang hat ersehnt.
      Hört sie ganz leise von links irgendwen,
      sagt der, dass sich dieses Geschenk nicht lohnt.

      Ein letztes mal riskiert sie hinüber, den Blick
      zu der Stimme, die nun sagt, bleib am Seil.
      Das schwarze Wesen, es ist nur ein Trick,
      will treiben zwischen dich und das Leben den Keil.

      Steig wieder auf, und versprechen werd ich dir,
      es gibt ein Ende und du kannst gehen, für immer.
      Balanciere am Seil, nur immer weiter so hier,
      und ich schenke dir Leben und manchmal auch Kummer.

      Jetzt liegt es an ihr, wem will sie nun folgen,
      Tod oder Leben, welchen Preis will sie zahlen.
      Eine Entscheidung werden wohl wir nie erfahren,
      entweder oder, sie wird es ertragen haben.