Ansichten der Liebe

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Ansichten der Liebe

      Armaros saß auf seiner Wolke und murmelte vor sich hin: „Meine Narben auf der Haut, sind ein Zeichen, dass ich gelebt habe. Meine Narben auf der Seele, sind Zeichen, dass ich geliebt habe.“ Bei diesen Worten strich er sich mit der Hand sanft über seinen Unterarm und betrachtete die mittlerweile verheilten Wunden. Nur einige dunkle Striche waren zu erkennen: Narben. Er schaute sie eine Weile an, als Nika dazu kam und sagte: „Manchmal braucht man keine Narben, denn Erinnerungen reichen aus.“ „Und Erinnerungen sind in der Seele verankert“, fügte Armaros hinzu. In diesem Moment landete Nihalia neben ihm und schloss ihre prachtvollen schwarzen Flügel. Sie blickte ihn traurig an und sprach: „Erinnerungen hinterlassen Narben in der Seele.“ Armaros lächelte: „Und die Seele ist das, was manchen Menschen als Herz bezeichnen. Ist die Seele vernarbt und gebrochen, wird es schwer mit dem Herz.“ Daraufhin mischte sich Nika wieder ein: „Hör auf so zu reden! Denk positiv! Ich will ja, dass es dir gut geht und nicht, dass du über schlechte Sachen nachdenkst.“ Das war an Armaros gerichtet, der im selben Moment nickte und sagte: „Das weiß ich doch auch.“ Nika, der weiße Engel, legte ihren Zeigefinger an ihre geschlossenen Lippen und flüsterte: „Also, psst.“ „Es ist aber die Wahrheit“, fügte Nihalia ein. Armaros sah sie an: „Nihalia, das versteht Nika nicht.“ Ihr Blick war nachdenklich, als sie in sich sprach: „Wer versteht schon das Herz oder die Seele?“ Der schwarze Engel, Armaros, hörte dies und gab ihr eine Antwort: „Keiner. Nur jene, die es irgendwann spüren mussten, was es heißt gebrochen zu sein.“ Nihalia lächelte und stimmte ihm zu: „Richtig. Und auch nur die verstehen die Worte eines anderen, wenn sie es selbst erlebten.“ „Oder sie mussten die Erfahrung gemeinsam erleben und unabhängig des anderen wissen, was man fühlt beziehungsweise der andere fühlt.“ „Solche Menschen nennt man Seelenverwandte“, sagte Nihalia mit leuchtenden Augen. „Ich verstehe viel“, warf Nika in das Gespräch ein und flog davon. Armaros rief ihr noch hinterher: „Nika, das verstehst du nicht.“ Dann kam Liljana, einer der weißen Engel zu ihnen und sprach: „Die Zeit heilt Wunden. Die Narben bleiben zwar zurück, aber man lernt damit zu leben. Und irgendwann bekommen die Personen, denen du das zu verdanken hast, ihre passende Strafe.“ Doch Nihalia konterte: „Aber kannst du wirklich einem Menschen etwas Böses wünschen, wenn du ihn liebst? Die Zeit heilt keine Wunden, man gewöhnt sich nur an den Schmerz.“ Liljana antwortete: „Nein, das nicht. Ich meine damit, dass es sie irgendwann bereuen oder selbst so verletzt werden, wie du es einst wurdest. Und irgendwann kann man einen Menschen, der einem immer wieder weh tut nicht mehr lieben. Da sollte der Verstand einsetzten.“ Nihalia blickte um sich und murmelte leise: „Ja, ja, die Liebe, das ist so eine Sache.“ Der weiße Engel stand auf und sagte: „Wem sagst du das“, und ging mit diesen Worten in die Lüfte. Armaros lehnte sich zurück und sagte dann: „Einerseits so wundervoll und gleichzeitig so schmerzhaft,“ „Und unerklärlich“, fügte Nihalia dazu. „Eine unheimliche, komplexe und beängstigende Sache, die so viele Fragen auf wirft, die wir nie erklären können“, ergänzte Armaros seinen vorherigen Satz. „Fragen über Fragen und keine Antworten“, sprach Nihalia vor sich hin. „Und Antworten, die einem weh tun werden beziehungsweise können und deshalb immer ein Geheimnis sind, bleiben ein Geheimnis, das wir als Lüge bezeichnen.“ Nihalia stimmte ihm zu. „Auch Liebe kann eine Lüge sein. Entweder dem anderen gegenüber oder sich selbst. Denn hinter beiden Lügen, steckt mindestens ein Geheimnis.“ Auch hier stimmte Nihalia dem schwarzen Engel zu. „Und meist ist es so, dass die wahre Liebe nur wenige erkennen und wenn überhaupt, dann viel zu spät. Manche sehen sie vor ihren eigenen Lügen nicht.“ „Weil sie von anderen Dingen geblendet werden“, gab Nihalia die Begründung dazu ab. „Das ist meist die Lüge gegen sich selbst. Angeblich nicht los lassen zu können, weil man jemanden liebt. Das ist das dunkle Kapitel der Liebe, das man nicht vergessen kann. Eine aus Schmerz ausgelöste Angst ist für manche nur begreifbar, wenn man einmal diesen Schmerz fühlen musste.“ „Die Erkenntnis bekommt man allerdings erst, wenn man sich damit auseinander setzt. Und erst dann weiß man, ob man sich selbst anlügt“, sprach Nihalia zu Armaros. Er stimmte ihr zu und sagte: „Ja, richtig. Wenn man es dann endlich macht. Aber der Weg ist schwer und meistens tut er mehr, als die ganze Liebe die zerbrach, weil man dann zur Erkenntnis kommt, das einiges elementares an das man glaubte, doch nur eine einzige große Lüge war.“ „In der Liebe ist es schwer, zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden“, sagte Nihalia leise und spreizte ihre großen Flügel. „Weil beides leicht zu überspielen ist, Die perfekte Täuschung, findest du nicht auch, Nihalia“, fragte er sie. „Das stimmt. Doch sollte man unterscheiden können.“ Mit diesen Worten erhob sie sich in die Luft und flog davon. Armaros rief: „Du hast recht. Das sollten wir.“


      (c) Arebina