Die Entstehung der Gothic-Szene

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  • Die Gothic-Szene ist eine friedliche, introvertierte und sehr tolerante Subkultur, die aus der Punk und Darkwave Bewegung entstand.
    Die Gothic-Szene

    Gothgirl.jpgDie Gothic-Szene ist eine friedliche, introvertierte und sehr tolerante Subkultur. Sie entstand Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre aus der Punk- und DarkWave- Bewegung. Damals wurden sie teilweise auch als Edel-Punks bezeichnet. Die Gothic-Kultur löste sich jedoch von dem politisch orientierten und sehr extrovertierten Weltbild der Punkbewegung ab. Die Gothicszene entwickelte sich zu einer sehr introvertierten und kaum politisch orientierten Subkultur. Ihre Anhänger sind meist sensibel und gelten als ästhetisch orientiert. Die Mehrheit dieser Kultur enstammt der Mittelschicht. Die Gothics sind eine sehr gut durchorganisierte Subkultur, mit eigener Musik, eigener Kunst, eigener Lektüre, Fotografie und Poesie. Alle diese Kunstrichtungen haben in der Wahl der Themen ihre Gemeinsamkeit. Die Themen der Kunst haben den Hang zu mystischen, morbiden und romantischen Themen. In der Malerei und der Fotografie reicht die Themenvielfalt von Fetischdarstellungen bis hin zu Bildern von Elfen und Engeln. In der Literatur dieser Szene finden sich hauptsächlich Werke aus dem Bereich Fantasy und Horror. Der Drang zum Individualismus innerhalb der Szene erschwert eine klare Zuordnung zu dieser. Von daher weist diese Kultur auch ein sehr breites Spektrum an Anhängern auf. Einige Anhänger kommen auch aus dem SM & Fetisch Bereich, da diese in der Gesellschaft tabuisiert und meist abgelehnt werden. Hingegen finden sie in der Gothicszene die benötigte Toleranz und auch Zustimmung.
    Der Großteil der Bevölkerung wird von den Gothics teilweise negativ wahrgenommen und deren Werte abgelehnt. Die Gesellschaft wird als konservativ, intolerant, konsumorientiert und egoistisch eingestuft. Daraus resultiert eine Art stiller Widerstand gegen die Gesellschaft in Form von Distanzierung. Die melancholische Stimmung innerhalb der Szene ist unter anderem auf Umweltverschmutzung und Overkill zurück zu führen, da sie in den 80ern ein Thema waren und auch heute noch sind. Aber auch die Sicht der Entwicklung der heutigen Gesellschaft trägt ihren Großteil dazu bei. Im Gegensatz zu dem in der Gesellschaft verbreitetem Jugendwahn wird der Tod in der Gothicszene als natürlicher Bestandteil des Lebens akzeptiert. Das Tragen schwarzer Kleidung ist unter anderem ein Ausdruck dafür. Ich für meinen Teil schreibe dem Tragen der schwarzen Kleidung auch einen höhnischen Spott gegenüber der seelenlosen Konsumgesellschaft zu, da schwarz ja bekanntlich die Farbe der Trauer ist. Ein anderer Aspekt für das Tragen der dunklen Kleidung ist, dass die Dunkelheit als ein schützender Mantel, der Geborgenheit und Wärme gibt wahrgenommen wird. Die Affinität zu der Farbe Schwarz hat nichts mit der unterstellten Todessehnsucht zu tun. In der Szene verbreitet ist der Hang zum Mystischen und Okkulten. Das äußert sich auch im Hinblick auf den getragenen Schmuck wie etwa Petruskreuze, das Pentagramm oder das averse Pentagramm. Dies ist aber auch als ein Ausdruck der Provokation und nicht als Hinwendung zum Satanismus zu verstehen. Viele Gothics werden deswegen mit Satanisten verglichen oder in diese Szene eingeordnet, obwohl sie ein völlig anderes Lebensgefühl ausdrücken. Auffällig ist auch die Art wie sich weibliche sowohl auch die männlichen Anhänger der Szene schminken. Meist blasse Haut und schwarzer Lippenstift, Liedschatten, Nagellack etc. Zum einen der Ausdruck des Individualismus und zum anderen auch wieder zur Provokation.
    Zum Thema Politik und Religion sind sehr viele verschiedene Meinungen und Ansichten innerhalb dieser Szene vertreten. Jedoch wird Rechtsextremismus klar und deutlich abgelehnt. Die Gothics setzen sich meist nur mit den Grundzügen der Religionen auseinander und deshalb gibt es auch hier ein sehr breites Spektrum an Glaubensrichtungen und Glaubensansätzen. Ein kleiner Teil der Szene ist christlich orientiert, was die Lesungen am Vorabend des WGT (Wave Gothic Treffen) zum Ausdruck bringen. Großes Interesse wird okkulten und neuheidnischen Themen gewidmet.
    Einige Anhänger der Szene haben eine gewisse Sehnsucht nach den Mythen und Legenden des Mittelalters. Sie malen sich ein romantisiertes Bild des Mittelalters aus und lassen bewusst die finsteren Aspekte dieses Zeitalters außen vor. Das Interesse an diesem Zeitalter kommt auch durch die in der Szene verbreitete Vorliebe für Fantasy-Romane zum Vorschein. Aber auch das hören von mittelalterlicher Musik bringt dies zum Ausdruck.
    Ein Gothic zu sein ist nicht nur einfach das tragen schwarzer Kleidung sonder auch ein Lebensgefühl, eine Geisteshaltung und diese wird bis ins hohe Erwachsenenalter beibehalten. Hingegen macht sich mittlerweile
    eine starke Verbreitung der Szene unter Jugendlichen bemerkbar (die ich selbst aber als eine Art Modeerscheinung interpretiere), was sicherlich auf die Kommerzialisierung der Szene zurück zu führen ist.


    Pseudonyme

    Ein hervorstechendes Merkmal der Gothic- und Dark-Wave-Bewegung war lange Zeit die Nutzung von Pseudonymen, die seit der zweiten Hälfte der 1980er weite Verbreitung erfuhren und mit der Verbreitung des Internetes letztlich ihren Höhepunkt erreichte. Innerhalb der lokalen Szene wurden die Pseudonyme als Unikat gehandelt, was dem Pseudonym die selbe Kraft wie ein Rufname verlieh. Wie auch das eigentliche Leitbild der Szene, wurden anfangs die Pseudonyme noch deutlich von der Punk-Kultur beeinflusst. Die Bandbreite an Pseudonymen wurden aber sehr schnell um Begriffe erweitert, die der Literatur und Mythologie entstammten. Es wurden natürlich düstere Begriffe wie Lillith, Akasha oder Morticia gewählt, die das Namensspektrum erweiterten.
    Inzwischen finden derartige Pseudonyme auch in anderen Jugendkulturen und Milieus, wie beispielsweise in der Black-Metal-Szene oder Teilen der heutigen Schwarzen Szene, Anklang, wodurch ihre Verwendung nicht mehr an die Gothic-Bewegung gebunden ist.


    Mittlerweile kann keine wirklich klare Abgrenzung zu anderen Splittergruppen der Gothic-Szene getroffen werden. Mittlerweile sind viele Einflüsse miteinander vermischt und man spricht im Ganzen eher von der "Schwarzen-Szene" als von einer Gothic-Szene. Die "Schwarze-Szene" kam zum einen durch die Vermischung diverser musikalischer Stilrichtungen zustande, wie sie zum Beispiel von Atrocity vorangeführt wurde. Auch das Übernehmen von Kleidungsstilen und "Szene-Accessoires" tat seinen Teil zur Vermischung der einzelnen Szenen dazu. Der Kleidungsstil wurde seit Anfang der 2000er natürlich auch durch diverse Kleidungshersteller beeinflusst, da man in Teilen der Bewegung davon abgewichen ist, sich seine Kleidung selbst zu modifizieren mit diversen Artikeln, die man sich meist aus dem Baumarkt holte.


    Musikalische Einflussfaktoren und Überschneidungen:


    DarkWave

    Dark Wave ist eine beinahe historische Bezeichnung für einen musikalischen Stil, der sich ab dem Ende der 1970er Jahre, Anfang der 1980er Jahre im Zuge der New-Wave- und Post-Punk-Bewegung herausgebildet hat und wegen dem unverkennbaren Klang als dunkel, trist und sehnsuchtsvoll düster wahrgenommen wird.
    Hierzu zählen unter anderem Rockmusik im Stil von Bands wie Joy Division oder The Cure, oder rein elektronischen Kompositionen wie zum Beispiel von Anne Clark (Sleeper in Metropolis)oder Psyche.
    Im engeren Sinne erfasst Dark Wave die Strömungen Cold Wave, Electro Wave, Ethereal, Gothic Rock, Neofolk und Neoklassik sowie die Neue Deutsche Todeskunst und Teile der Neuen Deutschen Welle.
    Eine erste Blütezeit erlebte die DarkWave-Szene etwa 1984. Eine zweites Hoch folgte zu Beginn der 1990er, wobei Deutschland die führende Rolle übernahmen und auf die umliegenden Länder Einfluss ausübten.


    Psychobilly

    Ein freundschaftliches Verhältnis verbindet Teile der Gothic-Szene mit der Punk- und Psychobilly-Kultur. Ein Grund hierfür findet sich vor allem in den musikalischen Vorlieben, die sich diese Jugendkulturen teilen (The Cramps, Alien Sex Fiend, Fliehende Stürme). Seit den Anfängen der Szene lassen sich zudem Berührungspunkte mit der Post-Industrial-Bewegung erkennen (zum Beispiel über Gruppen wie Einstürzende Neubauten, Cabaret Voltaire, Foetus oder später auch Skinny Puppy), die besonders in den 1990er Jahren intensiviert wurden.


    EBM


    ebm.pngMit Anhängern der EBM-Szene kam es häufiger zu Konflikten, da sie sich von dem Weltbild der Gothic-Szene abwandten und sich überwiegend in Frankfurt am Main und Berlin oder im Osten Deutschlands abseits der Schwarzen Szene entwickelte. Die EBM-Szene grenzt sich von der Weltschmerz-Attitüde und dem androgynen Erscheinungsbild ab, das in Teilen der Gothic-Kultur vorherrscht. Für sie stand martialisches Auftreten und körperbetonte Härte als Zeichen von Männlichkeit im Vordergrund. Im Bild Links wird deutlich, wie man mit martialischen und einer gewissen faschistischen Ästhethik spielt.
    Dieses Auftreten bzw. mehr der Kleidungsstil fand sich oft in den !anfänglichen! (bevor Neondreadlocks gängig waren) Teilen der Cyber-Bewegung wieder, speziell den dortigen männlichen Vertretern. Hier wurde natürlich auch vieles von der Kommerzialisierung der Szene und dem Erscheinen diverser Modelabels durcheinander gewürfelt, was vielen EBM-Anhängern sicher ein Dorn im Auge war und heute noch ist.




    Metal-Szene

    Als eines der größten Feindbilder der Gothic-Kultur galt lange Zeit die Metal-Szene. Dieser Feindseligkeit, die von beiden Subkulturen ausging, wirkten in den 1990er Jahren hauptsächlich Künstler aus dem musikalischen Umfeld, wie Secret Discovery, Paradise Lost, Dreadful Shadows oder – ganz gezielt – die Metal-Formation Atrocity in Zusammenarbeit mit Das Ich, entgegen. Die damit einsetzende Öffnung und zunehmende Verschmelzung von Teilen beider Subkulturen zu einer „Gothic-Metal-Szene“ wird jedoch nicht einheitlich befürwortet und seit Ende der 1990er stark kritisiert. Sie stößt vor allem bei traditionellen Vertretern der Gothic-Kultur gleichermaßen wie bei Vertretern aus der Metal-Szene auf Ablehnung.


    BDSM

    Seit Mitte der 1990er Jahre sind verstärkt Überlagerungen mit der BDSM-Szene sichtbar (als Beispiel Mozart von Umbra Et Imago). Sie werden von den Goths allerdings nicht grundsätzlich positiv (als Beispiel Mozart von Umbra Et Imago ;) ) bewertet, sondern bisweilen als Unterwanderung empfunden. Dabei wird häufig übersehen, dass Elemente der Fetisch- und BDSM-Kultur schon in den 1980ern über die Punk-Bewegung in die Gothic-Kultur gelangten und modischer Bestandteil der Batcave-Szene in London waren. Auch noch heute findet man im Kleidungsstil eine starke Anlehnung an BDSM/Fetisch.


    Visual Kei

    Deutliche Abgrenzungsversuche bestehen gegenüber der Visual-Kei-Bewegung. Speziell japanischen Goths ist die Visual-Kei-Szene ein Dorn im Auge, da viele Vertreter dieser Szene (sogenannte J-Rock-Bands) von den Massenmedien fälschlich als Gothic präsentiert und international als japanische Gothic-Bands missverstanden werden. Nachdem sich der Visual-Kei Trend auch nach Deutschland erstreckte und hier zu wachsen begann, kamen auch hier zeitweise ganze Wellen in diverse Gothic-Onlineplattformen geschwemmt, wo sie allerdings nicht sonderlich herzlich aufgenommen wurden. Meist wurde es um diese Benutzer auch sehr ruhig, da die wenigsten aktiv blieben, da sie wohl erkannt haben, dass sie einer vielleicht unbeabsichtigten "Medienlüge" auf den Leim gingen.


    Cybergoth

    Weiterhin besteht ein sehr gespaltenes Verhältnis zur Cyber-Kultur. Diese Szene wird häufig als Feindbild wahrgenommen, vereinzelt aber auch als Bestandteil der Gothic-Kultur betrachtet (als sogenannte „Cybergoths“). Obwohl hier keinerlei grundlegenden Gemeinsamkeiten mehr bezüglich des Outfits oder der musikalischen Vorlieben und Wurzeln erkennbar sind. Auch ein Bezug zu romantischen Themen ist der Cyber-Kultur fremd, da es sich hier ausschließlich um eine Weltanschauung einer dystopischen Zukunftsvision dreht.

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