Der Vampir in Historie und Literatur

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  • Der Vampir in der Populärkultur
    Eine kleine Geschichte der Vampire in Mythos, Historie, Literatur und Film

    Seit jeher gibt es alte Legenden in fast jedem Land, die von Untoten berichten, die über die Menschen kommen und sich nach ihrem Blut, ihrem Fleisch oder ihrer Lebenskraft verzehren. Dieser Artikel bezieht sich hierbei auf die europäischen Mythen. Eine der ersten, eindeutig zuzuordnenden Erzählungen über einen Vampir findet sich in griechischen Erzählungen um 125 n. Chr. Ein weiterer Ursprung der Vampir-Legenden liegt wahrscheinlich im Mittleren Osten. Die Mythen und Geschichten über diese Wesen finden ihren Weg über die Seidenstraße nach Europa und haben auch Eingang in die slawische Kultur, die sich in Südost- und Osteuropa angesiedelt hat. Die Slawen haben die lebendigsten und meisten Vampirlegenden im europäischen Kulturraum. Im 8 Jahrhundert, als die Christianisierung dort einsetzt, verschwinden viele der alten Bräuche - aber nicht die Legenden über die Untoten, die Wesen der Nacht.


    Was bitte ist ein Upir?

    Das Wort "Upir", aus dem sich später "Vampir" entwickelt, wird das erste mal in schriftlicher Form in einem Dokument aus dem Jahre 1047 entdeckt, das von eine russischen Prinzen handelt, der darin "Upir Lich", also in etwa frei übersetzt "Vampir Leiche" genannt wird. Weitere noch erhaltene Dokumente über Vorfälle mit Vampiren erscheinen am Ende des 12. Jahrhunderts in England in Walter Map´s "De Nagis Curialum" und William of Newburgh´s "Chronicles".
    In den folgenden Jahrhunderten treten immer wieder regelrechte Vampirhysterien in ganz Europa auf, so 1310 in Frankreich, 1337 in Böhmen oder 1725 in Österreich und Serbien, wo namentlich die angeblichen Vampire Peter Plogojewitz und Arnold Paul ihr Unwesen getrieben haben sollen. Spätere wissenschaftliche Erkenntnisse bringen diese Hysterien mit Epidemien wie Tollwut, Milzbrand und Krankheiten wie TBC (Schwindsucht) in Verbindung.


    Gilles de Rais und Vlad Tepes

    1404 wird Gilles de Rais geboren. Ihm wird ein Hang zum Blutrünstigen vorgeworfen, aber obwohl er ca. 400 Kinder getötet hat, war er wohl kein Bluttrinker, wird jedoch als legendärer Vampir geführt. Neun Jahre vor Gilles de Rais Hinrichtung erblickt 1431 in Transsylvanien eine weitere legendäre Persönlichkeit das Licht der Welt: Vlad III. Tepes Draculea. Legendär vor allem wegen seiner ungemeinen Grausamkeit gegenüber seinen Feinden. Er tut sich besonders in der Abwehr der osmanischen Türken hervor und wehrt ein eingefallenes, seinen Truppen weit überlegenes, Türkenheer dadurch ab, dass er die Vorhut überwältigt und die gefangenen Soldaten lebendig auf große Pfähle aufspießen lässt. Die Hauptstreitmacht des feindlichen Heeres verliert beim Anblick der Gepfählten die Moral und wendet sich zur Flucht. Tepes´ Blutrünstigkeit und seine charakteristische Hinrichtungsmethode, das Pfählen, machen ihn zur Inspirationsquelle für Bram Stokers Vampirromanklassiker "Dracula", der 1897 in England veröffentlicht wird. Vlad wird 1477 in Snagov ermordet und in einem Kloster nahe Bukarest beerdigt. 1931 wird sein Grab geöffnet, es werden jedoch keine sterblichen Überreste gefunden.

    Elizabeth Bathory

    1560 wird der dritte berühmte "Vampir" der Geschichte geboren. Die ungarische Gräfin Elizabeth Bathory, genannt die Blutgräfin. Sie will ewige Jugend durch das Baden in JungfrauenBlut erlangen. Dass sie dafür über 200 junge Mädchen entsetzlich umbringen muss, empfindet die Bathory angeblich als zusätzliches Vergnügen. 1610 wird sie in falsch überlieferten Legenden in ihr Schlafzimmer eingemauert, ernährt nur durch einen Spalt in der Wand. Vier Jahre später stirbt sie. Die Gräfin Bathory ist das reale Vorbild für Sheridan LeFanus berühmten 1872 erschienen Vampirroman "Carmilla".


    Vom Mythos in die Wissenschaft und Literatur

    Hauptsächlich diese drei Personen prägen das Bild des Vampirmythos in Europa mit den Motiven Blutdurst, Grausamkeit und ewiges Leben. Im Mittelalter wird der Vampirismus als reales Phänomen angesehen und es entstehen über die Jahrhunderte mehrere wissenschaftliche Abhandlungen über das Thema. So veröffentlicht Leo Allatius um 1610 das erste moderne Dokument "De Graecorum hodie quirandam opinationabus", Philip Rohr behandelt das Thema 1679 in seinem Text "De Masticatione Mortuorum" eher philosophisch, der Kardinal Giuseppe Davanzati schreibt 1744 seine viel beachtete Abhandlung "Dissertazione sopre i vampiri" und 1746 erscheint "Abhandlung und Erläuterung der Materie von Geistererscheinungen und so genannten Vampiren oder zurückgekommenen Verstorbenen" von dem Kleriker Dom Augustin Calmet.

    Zu dieser Zeit entdecken auch Poeten, Literaten und Komponisten das Thema für sich. Eines der ersten bekannten Vampirgedichte ist "Der Vampir" von Heinrich August Ossenfelder, das 1748 erscheint und Johann Wolfgang von Goethe veröffentlicht sein Poem "Die Braut von Korinth - (Ein Gedicht über eine Totenbraut)" 1797. Direkt darauf, 1798, schreibt Samuel Taylor Coleridge mit "Christabel" das erste Vampirgedicht Englands. 1800 wird die Oper "I Vampiri" von Silvestro de Palma in Mailand uraufgeführt und 1828 folgt in Leipzig Heinrich Marschners Singspiel "Der Vampyr" nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Charles Nodier.
    Von nun an erscheinen unzählige Romane, Kurzgeschichten und Gedichte, dieVampire zum Inhalt haben. Und das aus gutem Grund, denn das Thema des Vampirismus hat eine eindeutige erotische Komponente. Der Blutkuss, das Saugen am Hals einer jungen, fast unbekleideten Frau, kann in einer "Gruselgeschichte" problemlos erzählt werden. In einer "Liebesgeschichte" sorgte solcherlei Inhalt in moralisch-puritanischen Zeiten für Skandale. Die bekanntesten Beispiele für Vampirliteratur neben "Dracula" und "Carmilla" sind John Polidoris "The Vampyre" von 1819, "Eine grässliche Geschichte" von E.T.A. Hoffmann sowie Nikolaj Gogols "Der Wyj" und "Die Familie der Wurdalaken" von Alexej K. Tolstoi.


    Die Neuzeit und der Film

    Am Anfang des 20. Jahrhunderts kommen die ersten Vampire in die Kinos. 1912 erscheint "Vampyrdanserinden" von August Blom in Dänemark, der als erster "abendfüllender" Vampirfilm gilt. Im selben Jahr stirbt Bram Stoker, kurz bevor sein letztes Buch "Dracula´s Guest" veröffentlich wird. Im Laufe der letzten 100 Jahre wurde eine Vielzahl von Filmen über die Blutsauger gedreht. Neben vielen Skurrilitäten brachte das Genre auch einige Meilensteine der Filmgeschichte hervor. Die bekanntesten sind hier "Nosferatu - eine Symphonie des Grauens", den Friedrich Wilhelm Murnau 1921 einem staunenden und verängstigten Publikum präsentiert, "Dracula", der Klassiker mit Bela Lugosi von Tod Browning 1930 in Szene gesetzt oder das expressionistische Meisterwerk "Vampyr - der Traum des Allan Gray" von Carl Theodor Dreyer aus dem Jahr 1932. Seit Christopher Lee 1952 sein Debüt als Blut saugender Graf in "Horror of Dracula" von Terence Fisher gab oder spätestens seit Roman Polanskis "Tanz der Vampire", hat der Vampir seinen festen Platz als Thema des Unterhaltungsgenres gefunden. Es vergehen heute kaum noch ein paar Jahre ohne einen neuen aufwendigen "Blockbuster", der Vampirismus zum Thema hat und ein Millionenpublikum in die Kinos lockt.


    Schon seit sehr langer Zeit existieren also die Geschichten über Vampire, in fast allen Kulturen, in allen Erdteilen finden sich Mythen über sie, wenngleich Vampire selber teilweise sehr unterschiedlich dargestellt werden. Aber sie beschäftigen Menschen aller Nationen auch heute und nicht nur im Sinne von "Unterhaltungsdarstellungen". In den USA gibt es das "Vampire Research Centre" und die "Vampire Research Society", und vor allem in der "Gothik-Szene" gibt es unzählige Webseiten zu diesem Thema und Clubs mit Menschen, die sich als Vampire bezeichnen existieren in allen Ländern der Welt.

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