Fabeln

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • .:.Der Rabe und der Fuchs, von Martin Luther.:.

      Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen und setzte sich auch einen hohen Baum um ihn zu verzehren.
      Da er aber, so wie es seine Art ist, nicht einmal schweigen kann, wenn er frisst, hörte ein Fuchs,
      wie er wegen des Käses so überaus fröhlich war.

      Er leif herbei und sprach:

      >>Oh Rabe, mein ganzes Leben lang habe ich noch keinen Vogel gesehen, der in Federn und Gestalt schöner ist, als du es bist.
      Falls du auch eine ebenso schöne Stimme zum Singen hast, müsste man dich zum Künig aller Vögel krönen.<<

      Den Raben schmeichelte dieses Lob, und er wollte seinen schönen Gesang hören lassen, doch als er den Schnabel öffnete,
      fiel der Käse herunter. Den packte der Fuchs schnell, fraß ihn auf und lachte über den törichten Raben.

      Sei vorsichtig, wenn ein Fuchs einen Raben lobt.

      Hüte dich vor den Schmeichlern, die dich ausrauben und dann verschwinden.
    • "Der Besitzer des Bogens"

      Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr weit und sehr sicher schoss, und den er ungemein wert hielt.
      Einst aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: “Ein wenig zu plump bist du doch! Alle deine Zierde ist die Glätte. Schade! Doch dem ist abzuhelfen.” fiel ihm ein. “Ich will hingehen und den besten Künstler Bilder in den Bogen schnitzen lassen.”
      Er ging hin und der Künstler schnitzte eine ganze Jagd auf den Bogen und was hätte sich besser auf einem Bogen geschickt als eine Jagd?
      Der Mann war voller Freude. “Du verdienest diese Zieraten, mein lieber Bogen!” Indem will er ihn versuchen; er spannt, und der Bogen – zerbricht.

      - Gotthold Ephraim Lessing
      Hab keine Angst vor Narben.
      Sie zeigen nur, dass du stärker als das bist, das dich verletzen wollte.
    • Der Kater und die
      Mäuse

      Ein Kater, der von Kindheit an
      Sich auf der Mäusejagd mit Fleiß hervorgetan;
      Ein Held, dem mehr als tausend Ratten
      Den Untergang zu danken hatten,
      Ward endlich alt und schwach und konnte nicht mehr sehn.
      Die Ratten sagten ihm: es sei ihm recht geschehn;
      Gott ließ ihn nun, zur Strafe seiner Sünden
      Und auch zugleich zu ihrer Sicherheit,
      Nach Wunsch verkrummen und erblinden.
      Ach! sprach der alte Schalk, die Sünden sind mir leid;
      Der Himmel kennt mein reuiges Gewissen;
      Ich trage meine Schuld und will sie gerne büßen.
      Ich fühl schon, mein Tod ist nicht mehr weit;
      Gottlob! es geht mit mir zu Ende.
      Ich bitt euch alles ab: Hier habt ihr meine Hände!
      Kommt her und sagt mir's zu, daß ihr versöhnlich seid!

      Die Ratten merkten gleich, wie viel die Uhr geschlagen.
      Ja, sprachen sie, gar gern, wir wollen dir verzeihn;
      Doch nahe wird sich niemand wagen.
      Wir können weit entfernt so gute Freunde sein,
      Als wenn wir näher zu dir kämen,
      Denn dazu werden wir uns nimmermehr bequemen.
      Kurzum, die Ratten liefen fort
      Und wünschten ihm Glück auf die Reise.
      Drauf kam ein Dutzend junger Mäuse.
      O seht doch! schrieen sie, den kranken Kater dort!
      Ihr Kinder, rief der Dieb, kommt her und seht mich
      sterben.
      Ich hab' jetzt gleich mein Testament gemacht
      Und euch als meinen künftigen Erben
      Mein ganz Vermögen zugedacht.
      Drauf maunzt' er noch einmal, als nähme er gute Nacht;
      Er hielt den Atem an, lag still und ausgestreckt,
      Als wär' er in der Tat verreckt.

      Die Mäuse ließen sich, durch diese List, betrügen;
      Sie sprangen auf ihn los und tanzten um ihn her.
      Man sah ein Blatt Papier zu seinen Füßen liegen,
      Und dies bestärkte sie in ihrem Wahn noch mehr.
      Ach, riefen sie, seht! seht! da liegt das Testament.
      Der Kater schnappte zu und fing auf diese Weise
      Vier ihm zu nah getretnen Mäuse.
      Ich weiß wohl, sprach der Schalk, daß ihr nicht lesen
      könnt.
      Geht, laßt euch meinen Bauch die wahre Nachricht sagen,
      Von dem, was ich euch zugedacht;
      Der Rechtsfreund, welcher mir das Testament gemacht,
      Wohnt ohnehin in meinem leeren Magen.

      * * *

      Die glatten Worte sind ein Eis, das leicht bricht.
      Wer falschen Leuten glaubt, der kennt die Welt noch
      nicht.

      ~Daniel Stoppe °geb. 17.11.1679
    • Das Echo und der
      Knabe

      Ein Knabe hütete die Kühe,
      Und zwar das allererste mal.
      Er kletterte mit seinem Viehe,
      Auf einen hohen Berg; gleich über lang ein Tal,
      Das stieß an einen Wald, der voller Fichten stand.
      Man konnte weit und breit kein schöner Echo haben,
      Als das, was hier die Bäume von sich gaben.
      Dem Kuhmonarchen war die Sache nicht bekannt.
      Er suchte seine Untertanen
      Durch die Schalmei zum Fressen zu vermahnen;
      Er pfiff sein Hirtenlied, das Echo pfiff ihm nach.
      Er sah sich um und konnte niemand sehen;
      Drum wusst er nicht, wie ihm geschehen,
      Indem er sich allein zu sein versprach.
      Wer pfeift dort? fing er an zu fragen.
      Wer pfeift dort? hört er jemand sagen,
      Und wußte doch nicht, wer es wär.
      Ich bin's, schrie dieser hin; Ich bin's, schrie jener
      her.
      Wie heißt du? fuhr er fort. Wie heißt du? schallt es
      wider.
      Die Stimme schien ihm ganz bekannt zu sein,
      Er fing schon an, sich drüber zu erfreun,
      Als spräch er hier mit einem seiner Brüder.
      Komm zu mir! rief er ihm. Komm zu mir! klang's zurücke.
      Ich kann nicht, hieß es hier. Ich kann nicht, hieß es
      dort.

      Das ging nun so in einem Stücke
      Fast eine Viertelstunde fort.
      Nunmehr schien es unserm Knaben,
      Der unbekannte Freund wollt' ihn zum Narren haben.
      Sie schimpften sich zu beiden Teilen sehr,
      Die Schurken flogen hin und her.
      Der Wald sprach alle Worte nach,
      Die der erzürnte Knabe sprach,
      So daß die Esel selbst, nebst andern schönen Namen,
      Vernehmlich wiederholt und stets zurücke kamen.

      Ein Mann, der Kräuter las, kam ungefähr dazu;
      Er hatte dem Geschrei schon lange zugehöret.
      Mein Sohn, hub dieser an, weswegen schreiest du?
      Es ist ja niemand hier, der deine Ruhe störet.
      Ach, sprach er, sagt mir doch! kennt ihr den Jungen
      nicht,
      Der dort im Walde steht und schimpflich von mir spricht?
      Er hat mich recht zum Narren und blökt mich immer an.
      Ich hab' ihm gar nichts Leids getan,
      Und dennoch schimpft er mich; ich kann's nicht mehr
      vertragen:
      Bei meiner Seel'! ich leid' es ihm nicht mehr.
      O hätt' ich ihn nur hier, wenn er gleich größer wär',
      Ich wollt ihm mit der Hand die Gosche schon zerschlagen.
      Nicht so, mein Sohn, sprach unser Kräutermann,
      Ich hab' es wohl gehört, du fingst den Händel an.
      Wer andre Leute schimpft, der muß sich nicht beklagen,
      Wenn sie ihm eben das zu seiner Kränkung sagen

      (mir fallen schon ein paar Leute ein welche sich darauf nich besinnen...naja, inklusive meiner Person :shy: )

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von RephaimSulusPaulus ()

    • Duelle.

      Zwei Ochsen disputierten sich
      Auf einem Hofe fürchterlich.
      Sie waren beide zornigen Blutes,
      Und in der Hitze des Disputes
      5
      Hat einer von ihnen, zornentbrannt,
      Den andern einen Esel genannt.
      Da »Esel« ein Tusch ist bei den Ochsen,
      So mussten die beiden John Bulle sich boxen.

      Auf selbigem Hofe zur selbigen Zeit
      10
      Gerieten auch zwei Esel in Streit,
      Und heftig stritten die beiden Langohren,
      Bis einer so sehr die Geduld verloren,
      Dass er ein wildes I-A ausstiess
      Und den andern einen Ochsen hiess!
      15
      Ihr wisst, ein Esel fühlt sich tuschiert,
      Wenn man ihn Ochse tituliert.
      Ein Zweikampf folgte, die beiden stiessen
      Sich mit den Köpfen, mit den Füssen,
      Gaben sich manchen Tritt in den Podex,
      20
      Wie es gebietet der Ehre Kodex.

      Und die Moral? Ich glaub’, es giebt Fälle,
      Wo unvermeidlich sind die Duelle;
      Es muss sich schlagen der Student,
      Den man einen dummen Jungen nennt.
      Heinr. Heine.

      Heinrich Heine

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von RephaimSulusPaulus ()