Kurzgeschichte Nr. 3

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    • Kurzgeschichte Nr. 3

      Jacks Rasiermesser

      Viele Dinge im Leben laufen für uns nicht optimal. Arbeit geht verloren , Freunde verlassen einen. Perspektive ist ein Gebilde was ständigem Wandel unterlegen ist. So ging es auch mir. Irgendwann kommt man zu dem Punkt der einen das Gefühl gibt wir sollte etwas ändern in unserem Leben. Den Blick neu ausrichten und uns anderen Personen und Aufgaben widmen. Ich ließ alles hinter mir und ging von meiner gewohnten Umgebung weg. Verkaufte den Besitz den ich hatte. Mit dem Geld schaute ich mich um für eine Bleibe die Weit weg von dem war was mir vertraut erschien. Ein Neustart war doch immer etwas Gutes.

      Es dauerte eine Weile bis ich alles geregelt hatte. Das Haus verkauft war und ich alle weiteren Kontakte gelöst hatte. Jetzt hielt mich nichts mehr gefangen und ich spürte zum ersten Mal das Gefühl was man Freiheit nennt. Keine Verpflichtungen mehr und nur noch den Blick zugewandt ins Unbekannte. Vielen würde diese Reise angst machen doch ich war einfach nur froh etwas Neues zu beginnen.

      Durch Glück oder vielleicht auch durch Zufall las ich an meinem letzten Tag im alten Haus die Zeitung und entdeckte eine Anzeige in der Zeitung „Hausverwalter gesucht , England , London, ideal für alle die nicht gestört werden wollen und ein paar schöne Monate in Abgeschiedenheit verbringen wollen. „ . England war weit weg das war mir bewusst aber eigentlich auch genau richtig für mich und meine Situation.

      Ich wählte die Nummer in der Anzeige und unterhielt mich mit dem Notar der am anderen Ende der Leitung. Er erzählte mir das er für einige Monate aus England ausreisen musste um Geschäfte im Ausland abzuwickeln. Da das Haus für diese Zeit nicht leer stehen sollte suchte er Jemanden der darauf aufpassen konnte. Mein Rollstuhl war für das Haus kein Problem teilte man mir mit. In der Vergangenheit hatten viele Alte in dem Haus gelegt weswegen es komplett barrierefrei war. Mir war schon bekannt das England sehr behindertenfreundlich war. Deswegen hatte ich damit schon fast gerechnet.

      Gesagt getan. Ich packte die Koffer und verschwand. In ein paar Monaten würde sicherlich viel passieren und ich machte mir eigentlich keine Sorgen darüber das ich danach auf der Straße stehen würde. Man konnte ja weiterziehen dann und in die skandinavischen Länder reisen. Dort gab es für mich auch ideale Voraussetzungen. Das Ticket für die Bahn und die Weiterfahrt buchte ich mir online und lud mir alles aufs Handy um nicht noch weitere Probleme erwarten zu müssen. Ein und Umsteigehilfe waren auch kein Problem. Vielleicht war das der richtige Weg für mich denn nie war etwas so einfach gewesen wie diese Reise zu planen und zu organisieren. Vielleicht etwas zu einfach.

      Eine Leidenschaft von mir war es mich immer gut zu kleiden und zu stylen. Haare und Mode waren mir immer schon wichtig gewesen. Deswegen umfing mein Kosmetikset auch eine beachtliche Sammlung an Dingen die man so für die Pflege brauchte. Ich liebte aber was die Methodik angeht eher alt bewährte Dinge. Ich nutzte kämme und Bürsten aus Holz und verzichtete auf einen elektronischen Rasierapparat. Hier führ hatte ich immer eine Packung Rasierer dabei die manuell funktionierten. Klamotten genauso . Hemden und Hosen waren mir wichtig. Jeans waren nicht mein Fall ich liebte Hosen aus Soff und einfache weiße oder schwarze Herrenhemden. Das hatte etwas edles für mich und ich versuchte mir immer diesen Stil beizubehalten. Schuhe waren dagegen nicht immer einfach zu bekommen. Sie mussten das Gesamtbild abrunden aber leider Mangelware wenn man nicht unbedingt die perfekt geformten Füße hat. Einschränkungen haben ihren Preis aber ich war normal immer ganz zufrieden mit meinem Aussehen. Ich fühlte mich schon immer als Gefangener in einer anderen Zeit.
      Abramelin
    • Die Reise an meinen Zielort dauerte Stunden aber die Gegend um den Vorort von London entschädigte mich total für die Mühen. Hier etwas außerhalb der Stadt war es doch recht ruhig. Manch einer würde diese Ruhe als beängstigend empfinden aber ich hatte genug Stress die letzten Jahre gehabt. Mich störte die Abgeschiedenheit des Anwesens nicht.

      Eine große Villa tauchte vor meinen Augen auf als das Taxi vom Bahnhof die letzte Kurve der Steinstraße passierte. Es war genauso wie man sich ein altes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert vorstellt. Selbst ein kleiner Friedhof und eine kleine Kapelle waren in der Nähe. Idyllisch könnte man fast sagen. Eine hohe Mauer mit meinem Eisentor säumte die Villa. Schutz war dem Besitzer wohl wichtig.

      Als das Gepäck auf der Straße vor mir stand wurde ich am Tor von einem hageren großen Mann mittleren Alters empfangen. Sein Gesicht war schon recht faltig und seine helle leicht gräuliche Haut ließ darauf schließen das ich wohl nicht oft hier die Sonne zusehen bekam. Selbst jetzt fing es an zu regnen weswegen wir die Begrüßung auch erst mal mit einem einem kurzen Händedruck beendeten. Wir eilten den langen gepflasterten Weg ins Haus. Hätte die Sonne geschienen wären die alten Mauern des Gebäudes wohl weniger bedrohlich gewesen aber ich war auch zu müde um nur einen Moment darüber nachzudenken das dies mir doch etwas mehr als gewöhnlich Respekt einflößte

      „Ich bin Notar Evens. Es freut mich das sie den Weg ins trübe Wetter Englands gewagt haben. Nun lassen sie uns keine Zeit verlieren. Ich habe ihnen die Schlüssel fürs Haus und aller Räume im Haus hier bereit gelegt. Alles ist für sie frei zugänglich. Keine Barrieren. Der Garten muss gepflegt werden das heißt ab und zu etwas Unkraut gezupft werden und das reife Gemüse geerntet werden. Sie werden hier 7 Monate verbringen weswegen wohl es öfters wohl nötig wird das sie sich um einige Dinge hier kümmern müssen. Für ihre Verpflegung ist gesorgt. Einmal die Woche kommt ein Mitarbeiter aus dem nahen London vorbei uns bringt ihnen die nötigen Lebensmittel. Bedenken sie er will das Geld immer gleich mitnehmen und er wartet auch nicht gern. Deswegen steht am Tor eine Kiste die Abschließbar ist. Sie legen den Betrag von 50 Pfund rein und schließen die Kiste jeden Donnerstag ab. Der Händler kommt dann im Laufe des Tages vorbei und Tauscht die Waren gegen das Geld aus. Sie dürften damit dann immer 2 Wochen ausreichend versorgt sein. Falls sie Sonderwünsche haben legen sie ihm einen Zettel mit in die Kiste. Hier für müssen sie die Kosten aber selber tragen.“

      Ich nickte dem Notar freundlich zu um ihm zu verstehen zu geben das ich verstanden habe was er mir sagte. Dann lauschte ich weiter seinen Ausführungen über das weitere Vorgehen und meine weiteren Pflichten hier im Haus. Es gab keine weitere Hilfe. Der Händler würde der Einzige sein der weiß das ich hier bin. Auch wenn Post für mich da wäre würde er das ebenfalls in die Kiste mit legen. Es war aber vorsichtig geboten. Der Händler stand meist unter Zeitdruck deswegen war es sehr wichtig immer den Richtigen Betrag in die Kiste zu legen sonst könne er mir die Waren nicht hinterlassen. Kontakt war so ebenfalls nicht nötig zu ihm. Dies war für mich nicht weiter schlimm denn ich hatte ja sowieso diesen Ort gewählt um etwas zur Ruhe kommen zu können. Meine Zeit für mich zu haben.

      Die Einrichtung des Hauses war viktorianisch. Große schwere, dunkelbraune Möbel mit schweren schwarzen Eisengriffen und Beschlägen waren also die Einrichtung des Hauses. Auch die anderen Möbel waren wie aus einer anderen Zeit und ich musste etwas schmunzeln als ich mir bewusst machte das ich mich eigentlich auch nicht richtig in der Gegenwart fühlte. Vielleicht ein Zeichen das jetzt alles gut werden würde denn ich merkte das ich mich hier schon recht wohl fühlte. Auch wenn die Atmosphäre im Haus doch schon recht kühl und etwas unheimlich war.
      Abramelin
    • Nach 3 Stunden war alles geklärt. Der Notar verabschiedete sich und wies mich noch darauf hin das das Wohnzimmer einen schönen Kamin habe. Ich bedankte mich für seine Zeit und wünschte ihm eine gute Reise. Damit trennten sich unsere Wege und ich wurde mir bewusst das ich jetzt hier allein war.

      Der Kühlschrank war für die ersten 14 Tage gut gefüllt. Essen und trinken waren also ein Problem für mich. Mein Schlafzimmer war liebevoll hergerichtet und ich genoss Einrichtung und fühlte mich irgendwie wie ein Lord. Alles würde nun für eine Zeit mir gehören und ich konnte meinen Inspirationen für das Malen hier freien lauf lassen.

      Der erste Abend war sehr Ruhig. Ich ging früh schlafen weil die Reise doch ihren Tribut forderte und ich wurde nur einmal in der Nacht durch Geräusche im Haus geweckt die ich aber auf das Holz im Haus schob das hier verbaut wurde. Es arbeitete halt und deswegen war ein Knacken ab und zu nicht verwunderlich. Morgens beim Aufstehen dann der gleiche Anblick wie am Tag zu vor. Regen und düstere Wolken am Himmel. So verging Tag um Tag. Farben und eine Staffelei hatte ich mir aus Deutschland mitgebracht. Jetzt beschloss ich die Eindrücke zu einem Bild zu verarbeiten.

      Landschaften waren immer eine zeitaufwendige Arbeit. Das Mischen der Farben mit den verschiedenen Tönen war nicht einfach. Es gab zu viele Zwischentöne die man in einem grauen Himmel erkennen konnte. Grau war eben nicht gleich Grau. Auch die Landschaft war recht anspruchsvoll. Grüne Wiesen mit verschiedenen Blumen waren ebenfalls relativ schwierig zu malen. Alles in Allem war ich doch froh relativ viel Zeit zu haben. Nicht jeder Tag war wie der andere und man musste auch oft lange warten bis einem die richtigen Ideen für Bilder kamen. Welche Motive geeignet waren.

      So ging dies eine Weile und die ersten 2 Wochen waren schnell vorbei. Nachts schlief ich jetzt besser. Ich träumte oft von dem am Tag gesehenen. Von der Landschaft und wie ich durch sie wandelte. In meinen Träumen sah ich immer mal wieder eine Gestalt am Horizont die aber nicht wirklich klar dargestellt wurde. Nur ein Umriss in der Landschaft. Doch sie tauchte immer öfters in meinen Träumen auf. Erst hielt ich es für einen Baum doch mit jedem Traum wurde deutlicher das es eine Person war die dort Stand. Ihren Schatten auf die Erde warf vor dem grauen wolkenbedeckten Horizont. Es beunruhigte mich von Zeit zu Zeit das ich immer mal wieder diese Person sah in meinen Träumen aber ich schob es immer wieder auf die düstere Stimmung die mich befiel seit ich hier war. Das englische Wetter und die Einsamkeit hatten wohl auch ihre Preis.

      Als ich einen Tag keine rechte Lust aufs Malen hatte beschloss ich mir das Haus einmal genauer anzusehen. Noch lange hatte ich nicht alle Räume gesehen. Ich wechselte immer meine Standorte zwischen Küche , Bad , Salon und meinem Zimmer. Alles andere brauchte ich normal nicht aber ich war dennoch neugierig was das Haus noch so zu bieten hatte.

      Nach dem Frühstück machte ich mich also auf eine Tour durch das Haus zu drehen. Ein Schlüssel war für alle Räume im Haus und ich hatte auch nichts davon gehört das ich irgend ein Zimmer nicht betreten durfte. Meiner Expedition stand also nichts im Wege. Meine Spannung stieg als ich die Türen eine nach der anderem aufschloss. Hier und da waren noch Kleidung von Bediensteten vorhanden. Die Zeit war wohl hier langsamer vergangen als im Rest der Welt. Manchmal wenn ich einen Raum erkundete fielen mir auch Briefe in die Hände die von einer Zeit erzählten die längst vergangen war. Die Herrschaften der letzten Jahre waren wohl der Welt nicht sehr zugetan. Oft wurde davon gesprochen das man den Herren des Hauses nur selten zu Gesicht bekam. Er war stets zurückhaltend und etwas kühl gewesen aber nie respektlos gegenüber seinen Untergebenen. Es fehlte niemanden an nichts. Viele fühlten sich aber nach einiger Zeit unwohl obwohl sie eigentlich ein Leben hier führten das regelt war. Sie hatten ausreichend Essen und Arbeit. Erfüllung nach Standards der Industrialisierung. Aber keiner durfte Besuch empfangen so lange er hier war. Das Arbeiten für den Herren war ihr Leben nun. Die Mitarbeiter im Haus ihre Familie nun.

      5 Briefe fand ich insgesamt. Alle erzählten das Gleiche . Ihnen ging es gut . Doch sie fühlten sich nach längerer Zeit hier meist nicht sehr wohl. Viele wollten das Anwesen verlassen. Viele taten es. Vielleicht lag es daran das man nach Aussen keinen Kontakt hatte aber man hörte von ehemaligen Arbeitern nichts mehr. Als hätten sie diese Welt verlassen. Etwas beklemmt legte ich Brief um Brief wieder an seinen Platz und schloss die Zimmer wieder so wie ich sie verlassen hatte. Ich rief mir immer ins Gedächtnis das andere Zeiten auch ihre eigenen Sitten hatten aber das ungute Gefühl bei den vielen Texten verschwand nur zögerlich.
      Abramelin
    • Als die Dämmerung anbrach hatte ich 10 Zimmer erkundet und Nummer 11 lag vor mir. Es war etwas abgeschiedener von den anderen gelegen. Seine Tür war auch wohl etwas stabiler gebaut. Erst war es mir so als ob mein Schlüssel nicht passte aber dann ließ die Tür sich doch öffnen. Vor mir lag ein Zimmer das prunkvoll eingerichtet war. Nicht so spartanisch wie die anderen. Die Wände waren mit Gemälden geschmückt. Landschaften waren zu sehen und wohl auch Selbstbildnisse des Hausbesitzers. Ein doch recht kleiner zierlicher Mann mit einer Furcht einflößenden Aura. Bei seinem Bildnis hatte man das Gefühl das er sehr dominant und fordernd war. Er wirkte recht kühl aber seine Erscheinung zog einen auch irgendwie an. Man mochte ihn gleichzeitig wie man sich auch abgestoßen von ihm fühlte. Dieses Gefühl zu beschreiben fällt mir noch immer sehr schwer. Er war mittleren Alters. Ca. auf 35 Jahre schätzte ich ihn. Es waren viele Bilder in dem Raum von ihm. Wohl alle waren sie im gleichen Alter angefertigt.

      Als ich mich von den Gemälden nun lösen konnte schaute ich mich im Raum weiter um. Das erste was mir aufgefallen war war der aufwendig gestaltete Schminktisch im Raum. Seine dunkelbraunes Holz wohl edler als alle andere Möbel im Haus. Wurzelholz war damals wie heute ein teures Gut. Genauso der Spiegel des Tisches. Die Ornamente um den ovalen kleinen Spiegel auf dem Tisch waren wohl handgeschnitzt und man bekam ein Gefühl dafür welch Vermögen das ganze wohl gekostet hatte. Doch mein Blick schweifte nun weiter. Der Sekretär im Raum war nicht abgeschlossen. Hier wieder Briefe aber diesmal in einer ganz anderen Art geschrieben wie die anderen im Haus. „Liebste Anna. Ich kann nicht in Worte fassen wie traurig mich dein Verlust gemacht hat. Nie hätte ich einmal gedacht das ich jemals wieder so traurig sein würde wie durch deinen Tod. Längst habe ich verwunden das du mich immer mit deiner kühlen Art gestraft hast. Längst habe ich verstanden das dies nicht meine Schuld war. Der Arzt meinte du wärest von schlimmen Stimmungen besetzt gewesen über Jahre. Konntest nicht zeigen was in dir vorging. Bis du deine Entscheidung trafst dir das Leben zu nehmen. Selbstmord ist eine Sünde so darf ich dich auch nicht beerdigen weswegen ich meinen eigenen kleinen Friedhof für dich gebaut habe. Hier kann ich dich bestatten aber ohne Priesterlichen Segen. Schwer lastet die Schuld auf meinen Schultern das ich nicht erkannt habe was in dir vorging. Das du so traurig warst und ich dich mit dieser Trauer allein gelassen habe. Ich werde fortan nie mehr glücklich sein und ich schwöre dir das alles Leben was mir begegnet dafür bezahlen wird das es dich gemieden hat. In Liebe Jack“

      Ich legte geschockt den Brief zur Seite und verstand sofort warum die Bilder so aussahen wie sie aussahen. Er hatte einen Verlust durchlebt und war deswegen entrückt aus der Welt so wie wir sie kennen. Jack war also sein Name und seine Trauer war mit jedem Wort tiefer in mein Herz gedrungen. Ich war sehr betrübt und wollte eigentlich gar nicht mehr in die Welt dieses zerstörten Mannes vordringen als mir der Schminktisch wieder ins Auge fiel. Meine Neugier siegte über den Skrupel. Ich ging zum Tisch und betrachtete ihn eine Weile. Hier saß sicherlich sie in manch schwerer Stunde und weinte sich allein ohne sein Wissen die Augen aus dem Kopf. Ich weiß nicht mehr warum aber ich setzte mich aus dem Rollstuhl auf den Hocker vor den Tisch. Stumm betrachtete ich mich im Spiegel. Meine Falten im Gesicht die kleine zierliche Statur und der Bart. Dazu noch die Kleidung wie aus einer anderen Zeit. Für einen kurzen Moment sah ich nicht mich sondern ihn. Heiße Tränen rannen von seinem Gesicht und er hielt etwas funkelndes in der Hand.

      Erst erkannte ich nicht was es war und als es mir gerade bewusst wurde verschwand das Bild wieder vor meinen Augen. Ich hatte wohl zu viel gelesen und mir zu viele Geschichten vorgestellt. Meine Fantasie war wohl mit mir durchgegangen. Ich saß noch einen Moment still. Als ich mich gerade wieder umsetzen wollte entdeckte ich auf der Tischplatte hinter dem Spiegel ein kleines schwarzes Kästchen. Auf dem Deckel war mit Pinsel eine Rose gemalt. Die Schatulle selbst war aus Holz und schwarz lackiert. Der Verschluss war ein kleiner Riegel der silbern in der Dämmerung und den letzten Sonnenstrahlen blitzte.

      Ich weiß nicht was mich dazu brachte aber ich griff nach dem Kästchen und öffnete es. Noch bevor ich den Deckel hob wusste ich aber schon was sich darin befand. Ein silbernes Rasiermesser. Auf dem Griff war eine Inschrift „Für Jack“. Die liebevollen Rosen auf dem Griff ließen keinen Zweifel das war das Geschenk einer Frau. Von Anna. Ich nahm das Messer in die Hand und was dann passierte werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich bekam Visionen von aufgeschlitzten und verstümmelten Frauenkörpern zu sehen. Alle waren wohl kosmetisch so zurecht gemacht das jede von ihnen gleich aussah. Immer wieder blitzten Filmfetzen vor meinem Auge auf von dunklen Gassen, Geld und lächelnden Frauen. Dann das viele Blut. Überall war Blut. Als ich mich endlich gewaltsam aus der Vision lösen konnte sah ich kurz auf meine Hände. Für einen Bruchteil einer Sekunde waren sie auch in Rot getränkt. Ich warf das Messer auf den Tisch und die Schachtel daneben. Im gleichen Moment tat es mir aber leid so respektlos damit umgegangen zu sein und ich legte das Messer zurück in die Schatulle. Meine Fantasie war schon eigenartig. Die folgende Nacht schlief ich kaum. Ich sah immer wieder die Bilder die mein Geist mir geschenkt hatte als ich das Messer in meiner Hand gehalten hatte. Ich musste hier weg.

      Mein Entschluss stand fest. Die Einsamkeit war doch etwas zu viel für mich. Man musste sich doch wohl mit etwas mehr Menschen umgeben um nicht verrückt zu werden. Ich schrieb einen Brief und packte ihn für den Notar mit in die Kiste. Der Händler würde ihm diesen sicherlich geben. Meine Gründe waren zwar sicherlich für andere nicht nachvollziehbar aber es war Zeit weiter zu ziehen und mich aus der Einsamkeit zu lösen. Ich packte am nächsten Tag meine Sachen und Buchte mir Ticket zurück erst mal nach Deutschland. Vielleicht würde man ja doch noch Jemanden da finde der für einen da war und mit dem Man Zeit verbringen konnte.

      Das Taxi kam pünktlich und brachte mich zum Bahnhof. Ich war immer mehr erleichtert als ich das Anwesen hinter mir am Horizont verschwinden sah. Meine Bilder hatte ich in der Eile vergessen und mir waren sie ehrlich gesagt auch nicht so wichtig mehr gewesen. Wichtig war jetzt wieder mein altes Leben aufzugreifen und neue Freunde zu finden. Als der Zug in den Bahnhof einfuhr von London machte ich immer weitere Entspannung breit. Ich war froh jetzt wieder zurück zu kehren. Die Fahrt war entspannend und ich kramte in meiner Tasche nach ein paar Broten die ich mir genommen hatte. Da gefror mir plötzlich das Blut in den Adern. Ich zog aus meiner Tasche ein kleines Schwarzes Kästchen mit einer Rose auf dem Deckel. Ich war mir sicher das ich nichts weiter außer meiner Sachen eingepackt hatte. Das Kästchen war doch auf dem Tisch gewesen und ich hatte den Raum hinter mir abgeschlossen. Als ich es öffnete war mir wieder klar was ich finden würde und es war da. Ein Rasiermesser doch die Inschrift fehlte. Alles was anders war an dem Messer war ein kleiner Blutstropfen der getrocknet war an der Klinge. Mein Blut ich musste mich wohl in meiner Eile geschnitten haben als ich das Messer loswerden wollte. Schnell verstaute ich das Messer und die Schachtel wieder.

      Für den Rest der Fahrt schaute ich steinern aus dem Fenster und die Visionen vor meinem Auge tauchten wieder auf mir war klar was ich jetzt zu tun hatte und heiße Tränen rannen über meine Wange. Als ich zuhause ankam wurde mir eine zweite schreckliche Wahrheit bewusst. Ich sah es in den Nachrichten. „Letzter nachweislicher Verwandter von Jack the Ripper heute Nacht in Paris gestorben. Die Behörden gehen von Selbstmord aus. „ Ich schaltete den Fernseher ab und ging schlafen. Ich hatte ein grausames Erbe angetreten. In jeder Nacht in der ich nicht das Vermächtnis von Jack weiterführe werden die Träume schlimmer. Ich habe keine Wahl und es tut mir herzlich Leid um Anna.
      Abramelin